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leer Das Testament des Dr. Mabuse


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Digital restauriert liefert uns Atlas Film nicht mehr und nicht weniger als einen 1933er Meilenstein des deutschen Kinos.

Das Testament des Dr. Mabuse


Nachdem Dr. Mabuse (Rudolf Klein-Rogge) im Vorgängerfilm festgenommen und in eine Nervenheilanstalt gebracht wurde, fristet er dort ein Dasein in Isolation. Jahrelang hat er nur vor sich hingestarrt, bis er anfing, auf einem Block zu zeichnen. Aus den Zeichnungen wurden Buchstaben, dann Sätze und final sein „Testament“, bestehend aus Anleitungen für das perfekte Verbrechen.

Und obwohl Dr. Mabuse unter ständiger Aufsicht und Behandlung durch den Leiter der Klinik, Prof. Dr. Baum (Thomy Bourdelle), steht, kann eine Bande Krimineller diese Anweisungen 1:1 umsetzen. Als die Anweisungen immer mehr mit Mord zu tun haben, entscheidet sich das Mitglied Kent (Gustav Diessl), die Bande an den Kriminalkommissar Lohmann (Otto Wernicke) zu verraten. Lohmann erfährt, dass Dr. Mabuse mittlerweile in der Nervenheilanstalt verstorben ist und damit für die Taten nicht verantwortlich sein kann. Was Lohmann nicht weiß, ist, dass Dr. Mabuse vor seinem Tod seinen Geist telepathisch auf Dr. Baum übertragen hat. Dieser führt nun in seinem Namen die Anschläge aus. Sein letzter Plan ist es, eine Chemiefabrik in die Luft zu jagen und durch die austretenden Chemikalien ein Massensterben zu verursachen.


Das Testament des Dr. MabuseFritz Lang war bereits durch seinen Science-Ficiton Meilenstein „Metropolis“ eine bekannte Größe im deutschen Filmgeschäft. Zu Zeiten des Umbruchs von Stummfilm auf Tonfilm erschuf er mit „Das Testament des Dr. Mabuse“ sowie seinem Vorgänger „Dr. Mabuse, der Spieler“ den Grundpfeiler des Crime-Mystery-Genres.

Und schaut man sich einige der heutigen Produktionen an, wünscht man sich ein Genie wie Fritz Lang als Regisseur zurück. Unverkennbar haben sich Produktionen wie James Bond oder Mission Impossible schamlos bei Lang bedient. Dabei ist „Das Testament des Dr. Mabuse“ viel mehr als ein seelenloses Actionkino.

Gedreht kurz vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sind die kritischen Stimmen am politischen System des Deutschen Reiches allgegenwärtig, wie bereits bei seinem Vorgängerfilme. Man könnte sogar so weit gehen, dass Lang zukunftsvisionär bereits die Gräueltaten der Nazis vorhergesehen hat. Viel zu deutlich fallen Begriffe wie „vergasen“. Aber auch auf der Meta-Ebene lassen sich Vergleiche zwischen Dr. Mabuse und Hitler ziehen.

Hitler hat sein Propagandabuch „Mein Kampf“ in Haft geschrieben, analog dazu hat Dr. Mabuse sein Testament ebenfalls Gefangenschaft verfasst. Und inhaltlich handeln beide Bücher von einer reinen Machtübernahme durch Gewalt und Terror.

Das Testament des Dr. MabuseEs ist daher wenig verwunderlich, dass Göbbels, als Propagandaminister, den Film umgehend nach Fertigstellung verbot. Vorgeschoben als Grund, dass der Film Anleitungen für Verbrechen beinhaltet. Was als zynisch angesehen werden muss, wenn man bedenkt, welche Verbrechen mit Beginn der Machtübernahme durch die Nazis folgten.

Möglicherweise wurde sich aber auch an der Nutzung jüdischer Alltagsbegriffe in dem Film gestört. Das Wort „meschugge“ (aus dem jiddischen für „verrückt“) fällt nicht nur einmal. Dennoch wurden vor dem Verbot des Films einige Kopien ins Ausland gebracht und konnten wenigstens dort aufgeführt werden.

1973 wurde der bis dahin stark gekürzte Film erstmalig rekonstruiert, bevor er abschließend digital restauriert wurde. Hierzu wurden unterschiedliche Versionen des Films verglichen und fehlende Passagen eingefügt. Komplett vollständig ist der Film damit immer noch nicht. Trotzdem ist er nicht weniger ein Meisterwerk.

Fritz Lang ist es gelungen, was vielen Regisseuren heute nicht leicht von der Hand geht: Er hat es geschafft, einen Film zu kreieren, der über eine nicht geringe Laufzeit von fast 2 Stunden durchweg spannend bleibt.

Dabei wechselt er gekonnt die Schauplätze; das wuselige Arbeitsamt (stellt man dort noch Computer hin, es sähe dort aus wie heute) in dem es laut zugeht und die Menschen in ständiger Bewegung sind, um dann in Dr. Mabuses Zelle umzuschwenken und dort eine klaustrophobische Stimmung zu schaffen, die unter die Haut geht.

Das Testament des Dr. Mabuse
Der Kriminelle Kent (Gustav Diessl) bringt Kommissar Lohmann auf die Fährte.

Wenn dann Rudolf Klein-Rogge (siehe zweites Kritikbild) als Dr. Mabuse in Nahaufnahme in die Kamera schaut, fühlt man sich fast selber telepathisch angezogen.

Wer sich dieser filmischen Erfahrung hingibt, muss bedenken, dass die Schauspieler alle aus Zeiten des Stummfilms kommen. Hier waren große Gesten und übertriebene Mimik analog zu Theaterschauspielern an der Tagesordnung. Dies sollte man nicht als overacting bewerten, sondern als für damalige Zeiten normales Schauspiel.

Es ist jedem Cineasten zu empfehlen, „Das Testament des Dr. Mabuse“ anzuschauen. Wenn nicht wegen der Story dann zumindest, um perfektes Handwerk im Bereich der Regie zu sehen. Und als Verbeugung vor einem der größten Regisseure, den Deutschland je hatte.

Das Testament des Dr. Mabuse

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Fakten
Originaltitel:
Das Testament des Dr. Mabuse
 
Festivalvorführungen ab:
21.04.1933
 
auf DVD/Blu-ray/VoD ab:
29.10.2021
 
Genre:
Kriminalfilm
 
Regie:
Fritz Lang
 
Dieser Film wurde bewertet von:
AL(92%)
 
Texte:
AL
 
Vertrieb (für Heimkino):
Atlas Film

FSK der Heimkino-Fassung:
ab 16 freigegeben
 
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