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Lars von Trier stellt mal wieder Regeln auf, die aber diesesmal nichts mit dem Dogma-Manifest zu tun haben. Er will nur seinen Kollegen Jørgen Leth vor eine, oder vielmehr fünf, Herausforderungen stellen.

The Five Obstructions
Ein Ausschnitt aus dem Originalfilm „Det perfekte menneske“


Lars von Trier wird zur Zeit sicherlich als einer der herausragendsten Filmemacher Skandinaviens angesehen und offenbar scheint es ihm an Selbstbewusstsein kaum zu mangeln. Im November 2000 forderte der Regisseur den dänischen Dokumentarfilmer Jørgen Leth heraus. Jørgen Leth hat 1967 einen 12minütigen Kurzfilm mit dem Titel „The perfect Human“ („Det perfekte menneske“) gemacht. Dieser zeigt, nicht ohne Ironie, wie der perfekte Mensch geht, spricht und isst. Diesen sollte Jørgen Leth überdenken und fünf mal neu drehen – nach den Regeln, die ihm von Trier vorgibt. Leth machte sich freiwillig zur Marionette des manchmal ganz schön fiesen Lars von Trier.

Mal muss Jørgen Leth die Dinner-Szene am schrecklichsten Ort der Welt nachdrehen, und diesen „schrecklichsten Ort“ auch noch selbst festlegen. Das nächste Mal bekommt er gar nur die Vorgabe, dass er keine Einschränkungen hat, was Leth noch fieser findet. Am Ende muss er auch noch was in der Richtung Zeichentrick machen, obwohl beide Regisseure Comics hassen.

The Five Obstructions
Eines der vielen Gespräche zwischen Lars von Trier und Jørgen Leth.

Wozu das Ganze, wird sich der geneigte Zuschauer fragen. Jørgen Leth muss seinen eigenen, über 30 Jahre alten Film immer wieder neu überdenken. Dabei ergibt sich ein immer neuer Blick auf das Ausgangswerk, welches man nicht gesehen haben muss, um diesem Filmdialog folgen zu können. Lars von Trier selbst gibt an, den Film 20 Mal gesehen zu haben und dass dieser Film ihn am meisten in seiner bisherigen Filmarbeit inspiriert hat. Diese Inspiration will von Trier nun an den inzwischen an Depressionen leidenden und auf Haiti lebenden Leth zurückgeben.

Der Film „The Five Obstructions“ zeigt nicht nur die fünf neu entstandenen Kurzfilme, sondern auch deren Entstehung und die Gespräche zwischen Jørgen Leth und Lars von Trier. Die ganze Entstehungsgeschichte findet parallel zu von Triers letzten zwei Projekten „Dancer in the Dark“ und „Dogville“ statt. Gerade im Hinblick auf diese beiden Filme wird auch die Vorgeschichte des Regisseurs wieder aktuell. 1995 hat er mit Thomas Vinterberg die Filmregeln „Dogma 95“ aufgestellt. Heute hält er sich selbst nicht mehr daran, frei nach dem Motto: „Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden.“ Während der Rest der Dogma-Bewegung sich noch um die korrekte Durchnummerierung der bisherigen Dogma-Film streitet, legt von Trier sich seine Welt für jeden Film sowieso selbst neu zurecht und ist so der künstlerisch interessanteste Regisseur der Gegenwart.

The Five Obstructions
Die Anime-Sequenz, eine der hinterhältigsten Auferlegungen.

Seine Rolle als diktatorisch anmutender Marionettenspieler steht ihm bestens. In sein schelmisches Grinsen, wenn Leth wieder in eine seiner Fallen tappt, könnte man sich verlieben. Regisseure und Filmemacher der Welt, nehmt euch an Lars von Trier ein Beispiel, oder schaut Euch zumindest diesen Film an. Heute ist Lars von Trier derjenige, der die Inspiration weitergibt.

The Five Obstructions

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Fakten
Originaltitel:
The Five Obstructions
 
deutscher Kinostart am:
08.07.2004
 
Genre:
Dokumentation / Filmdialog
 
Regie:
Lars von Trier, Jørgen Leth
 
Dieser Film wurde bewertet von:
hope(90%)
 
Texte:
hope
 
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