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Eine Leiche zum Dessert


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** ***** **** ** *** ** **** ***** 87%
 

 
Millionär Lionel Twain (Truman Capote) lädt die fünf berühmtesten Detektive ihrer Zeit zu einem mörderischen Dinner der besonderen Art ein — und düpiert sie allesamt. Großartiges Hollywoodkino mit einem Staraufgebot der Extraklasse und ein Cineclub-Classic-Tipp!

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)


Sie verkaufen Millionen von Krimischmöckern an hungrige Leser, dabei sind diese Groschenromane alles andere als erträglich! So jedenfalls empfindet das der exzentrische Millionär und Krimifan Lionel Twain (Truman Capote), weshalb er er die aktuell fünf besten Detektive der Welt zu einem ganz besonderen Wochenende auf seinen Landsitz einlädt. Dabei handelt es sich um folgende, besonders erfolgreiche Charaktere und ihre jeweilige Begleitung:

Dick Charleston (David Niven) nebst Gattin Dora (Maggie Smith), aus New York. Der, dank seiner gesitteten Ehefrau, in guten Kreisen agierende Detektiv mit der stilvollen Attitude zeichnet sich vor allem durch seine schnelle Auffassungsgabe und seine gehobene Klasse aus, die jedoch oftmals mehr Schein als Sein ist. Denn auf der anderen Seite ist Dick Charleston nämlich auch ein Womanizer, der mit dem Geld seiner Frau alles andere als genügsam umgeht.

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)
Sam Diamond (Peter Falk) kann mit Frauen nichts anfangen.
Kollege Dick Charleston (David Niven, rechts) ist überrascht.

Sam Diamond (Peter Falk) nebst Sektretärin Tess Skeffington (Eileen Brennan), aus San Francisco. Der kalifornische Privatdektiv, welcher auf den Straßen und in den Slums sein Handwerk erlernte und immer einen Revolver zur Hand hat, ist laut eigenen Aussagen nicht nur der Ersatz von Peter Falk in "Columbo", sondern auch ein Mann, der sich nicht verarschen lässt, schon gar nicht von den Frauen. Auf Rumgeschmuse und romantischen Kram steht er nicht, doch ohne seine schmucken Sekretärin Tess wäre er wohl nur halb so erfolgreich.

Sidney Wang (Peter Sellers) nebst Adoptivsohn Willie (Richard Narita), aus Catalina. Der asiatische Inspektor, der gern den Buchstaben "R" mit "L" ersetzt, hat nicht nur ein scheinbar unerschöpfliches Sortiment an asiatischen Weisheiten zu bieten, sondern ist auch ein brillianter Analytiker von rätselhaften und kriminalistisch hochwertigen Ereignissen. Wang lässt sich nie von Nebensächlichkeiten ablenken, was ihn manchmal zwar unhöflich, dann aber wieder durchweg professionell erscheinen lässt.

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)
Inspektor Sidney Wang (Peter Sellers) ist nicht so naiv, wie er scheint.

Milo Perrier (James Coco) nebst Chauffeur Marcel (James Cromwell), aus Brüssel. Der europäische Kriminalist arbeitet vor allem für Königshäuser und hat einen Hang zu exquisiten Speisen, was man ihm auch ansieht. Und obwohl er ständig auf sein Essen und auf Etikette bedacht ist, schafft Perrier es immer wieder, brilliante Schlussfolgerungen zu ziehen und eine Situation entsprechend einzuschätzen.

Jessica Marbles (Elsa Lanchester) nebst Pflegefall Miss Withers (Estelle Winwood), aus Sussex. Die britische Kriminologin scheint unauffällig, ist sich ihrer Sache aber stets im Klaren und weiß mit der männlichen Konkurrenz mitzuhalten. Zudem hat sie ein gutes Herz, aber wenn es drauf ankommt, lässt sich die reife Dame nicht veräppeln.

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)
Der verwöhnte Milo Perrier (James Coco) nebst Chaffeur Marcel (James Cromwell).

Diese fünf Detektive und ihre jweilige Begleitperson machen sich also auf den Weg zum Landhaus von Twain und stoßen dabei nicht nur auf herabfallende Steinfiguren, sondern auch auf ein Unwetter, welches offenbar elektronisch erzeugt wird. Jedoch kann ihnen auch Twains Butler Jamesir Bensonmum (Alec Guiness) da nicht weiterhelfen, denn der merkwürdige Bedienstete mit leichter Neigung zur Neurotik ist blind. Dennoch bemüht sich Bensonmum, die Gäste so gut es geht zu bewirten, weshalb er auch ziemlich sauer auf die für das Wochenende angeheuerte Köchin ist, da diese scheinbar nicht gewillt ist, irgendetwas für ihr Geld zu tun. Doch Yetta (Nancy Walker) ist taubstumm, was sie Bensonmum schriftlich versucht, zu erklären.

Das Chaos beim Personal ist also bereits vorprogrammiert, was die insgesamt zehn Gäste jedoch nicht davon abhält, schon vor dem eigentlichen Dinner mit der kriminologischen Analyse der Umgebung und den Ereignissen zu beginnen. Doch als der Gastgeber dann auf seine ganz eigene Weise am Esstisch auftaucht und den hungrigen Gästen verspricht, dass sie um Punkt Mitternacht eine Leiche mit zwölf Stichwunden im Rücken vorfinden werden und die Person, die den Mörder enttarnt, eine Million Dollar Preisgeld erhält, beginnt das Wochenende erst richtig.

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)
Butler Jamessir Bensonmum (Alec Guiness) ist blind und teilweise neurotisch.

Leider finden die Teilnehmer bereits im Vorfeld eine Leiche: Butler Bensonmum sitzt leblos am Küchentisch und Inspektor Wang, Monsieur Perrier, Mr. Charleston, Sam Diamond und Miss Marble finden nicht nur eine Leiche als Vorspeise, sondern dann auch des Butlers Kleidung ohne Körper, sowie den nackten Butler vor, was für einige Verwirrung sorgt. Doch das entscheidende Indiz scheint eine Rechnung in der Hand des Toten, die besagt, das alles, eben auch die (inzwischen mehr als geschockte) Köchin und noch vieles mehr für den heutigen Abend bestellt wurde. Da Bensonmum aber nicht durch zwölf Messerstiche ums Leben kam, bleibt die Frage offen, was passiert ist und was noch alles passieren wird.

Somit sehen sich die fünf ratlosen aber aktiv arbeitenden Detektive am Ende nicht nur einem sich ständig wechselnden Esszimmer gegenüber, sondern um Punkt Mitternacht auch der zwölfmal erstochenen Leiche des Millionärs und Gastgebers Lionel Twain gegenüber und die gegenseitigen Vorwürfe nehmen im Kaminzimmer ihren Lauf. Dabei stellt sich heraus, dass jeder der Teilnehmer in irgendeiner Weise mit Twain entweder verwandt, oder geschäftlich verbunden war. Und als sich die zehn Gäste in ihre Schlafräume zurück ziehen, und jeder auf seine Weise sowohl von giftigem Getier, als auch von einer Bombe, giftigem Gas und einer sich senkenden Zimmerdecke angegriffen wird, scheint das Ende nah...

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)
Herrschaften? Es ist angerichtet...


Großartig pointierter Humor trifft auf ein imposantes Ambiente, gepaart mit der großartigen Leistung der damalige Hollywood-Ikonen. Dabei ist der eigentlich erste James-Bond-Darsteller David Niven genauso amüsant und zugleich gewohnt stilvoll, wie es Peter Falk mit seinem ruppig-charmanten Charakter Columbo ebenfalls immer war. Peter Sellers, der hier als Asiate agiert, funktioniert aber auch prächtig, während James Coco als anspruchsvoller Mitteleuropäer einen Sir Peter Ustinov (Hercule Poirot) auf wirklich geschmackvolle Art und Weise nur wenig ins Lächerliche zu ziehen vermag. Auch der Theaterschauspielerin Elsa Lanchester gelingt die zu parodierende Rolle der Miss Marple und sie vermag dabei teilweise sogar an Angela Landsbury als Krimi-lösende Jessica Fletcher zu erinnern.

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)
Inspektor Wang (Peter Sellers) und der versnobte Perrier (James Coco)
entdecken des Butlers Leiche.

Doch auch die Nebenrollen sind großartig besetzt. Neben einem denkwürdigen Auftritt von Truman Capote als exzentrischem Gastgeber, der sich offenbar den Style von der schwulen Musiklegende Elton John abgeguckt hat, ist vor allem Sir Alec Guiness hier als verschrobener Butler einsame Spitze! Zwar kennt man den von der Queen einst zum Ehrenritter geschlagenen Briten eher in anspruchsvollen Rollen wie bei "Der kleine Lord", doch ein guter Actor kann eben auch mal witzig aufspielen. Ebenfalls gefällt Maggie Smith, die dem heutigen Cineasten vor allem durch ihre Verkörperung der Professorin Minerva McGonagall in den "Harry Potter"-Filmen bekannt ist. Die britische Darstellerin schafft es, hier als kultivierte und gleichzeitig rollige Detektiv-Ehefrau für einige Lacher zu sorgen. Auch die anderen Akteure überzeugen und bis zum Ende schafft es die gesamte Cast, den Spaß zu vermitteln, den alle Beteiligten dieses Films beim Dreh empfunden haben müssen.

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)
Dick Charleston (David Niven) und Sam Diamond (Peter Falk)
wundern sich über den nackten Toten...

Was sich der populäre US-Dramatiker Neil Simon einst bei diesem Drehbuch gedacht hat, dürfte dem einigermaßen bewanderten Krimileser jedenfalls schnell klar werden: Jeder noch so gute Roman-Detektiv hat seine Macken und Fehler. Das schließt auch deren einzelne, teils in Millionenauflage erschienene Kriminalfälle natürlich mit ein. Und deshalb ist "Murder by Death" (so der Originaltitel) voller charakterlicher Parodien und der hier aufgeführte Mord bleibt ohne sinnvolle Erklärung. Es ist eben so, wie Lionel Twain es am Ende des Streifens beschreibt:

Ihr Kriminalhelden seid so lange so clever gewesen, dass ihr euch inzwischen wie Götter vorkommt. Mit der billigsten Effekthascherei führt ihr eure Leser an der Nase herum. Ihr quält sie mit aus den Fingern gesogenen Schlüssen, die keinen Sinn haben. Noch auf den fünf letzten Seiten führt ihr Charaktere ein, die im ganzen Buch mit keinem Federstrich erwähnt werden. Informationen werden zurückgehalten, damit ja keiner errät, wer der Täter ist.

Auf jeden Fall ist "Eine Leiche zum Dessert" nicht umsonst Kult und daher ein Cineclub-Classic-Tipp!

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)


  • Alle wichtigen Infos zu den Charakteren, die hier im einzelnen parodiert werden.
  • Der damalige Schriftsteller und homosexuelle Schauspieler Truman Capote, der als Lionel Twain seinen Gästen das bevorstehende Szenario erklärt, hatte 1966 mit dem Roman "Kaltblütig" eine Story zum Thema Mord verfasst, welche ohne all die aus Krimiromanen bekannten Tricks auskommt und damit das Genre von Grund auf revolutionierte. Mit Recht also darf sich Lionel Twain am Ende des Films den "größten aller Kriminalisten" nennen...

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)
Männerrunde: Peter Falk, Truman Capote und David Niven.

Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death)

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Fakten
Originaltitel:
Murder by Death
 
deutscher Kinostart am:
17.09.1976
 
Genre:
Parodie / Krimikomödie
 
Regie:
Robert Moore
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Conway(87%)
 
Texte:
Conway
 
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Synchronsprecher

SchauspielerSynchronsprecher
Eileen BrennanBarbara Ratthey
Truman CapoteFriedrich Georg Beckhaus
James CocoKlaus Miedel



TV-Termine

DatumUhrzeitSender
28.06.2016 20:15 Servus TV
08.01.2016 16:10 Servus TV
²) Sendezeiten bis 05:00 Uhr sind in der Nacht zum Folgetag.


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