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Shining


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
**** ** **** *** ***** * ** **** 80%
 

 
Nach dem Bestseller von Stephen King versuchte sich Regie-Legende Stanley Kubrick 1980 an der filmischen Umsetzung und schrieb damit (vor allem eigene) Geschichte. Neben den Kamerafahrten, der Umgebung und der von Anfang bis Ende Spannung erzeugenden Soundkulisse bleibt vor allem Jack Nicholson in Erinnerung. King selbst mochte die Umsetzung seiner Geschichte jedoch nie, da diese in vielen Dingen zu sehr von der Vorlage und der eigentlichen Idee dahinter abwich. Mitte der 90er folgte dann Kings eigene (über vierstündige) Version, welche den Kultstatus der hier besprochenen Verfilmung jedoch nicht verhindern konnte...

Shining (von Stanley Kubrick)


Der erfolglose Schriftsteller Jack Torrance (Jack Nicholson) nimmt einen Job an, wie er leichter nicht sein könnte - fünf Monate lang soll er auf das Overlook Hotel aufpassen. In der anstehenden Winterzeit bleibt die riesige Herberge in den Bergen Colorados nämlich geschlossen und steht komplett leer. Jacks Aufgabe ist es nun, mögliche Frostschäden zu beseitigen und die Unterkunft so gut es geht in Schuss zu halten. Jacks Familie darf hierbei nicht fehlen und so sind auch Ehefrau Wendy (Shelley Duvall) und Sohn Danny (Danny Lloyd) mit von der Partie.

Shining (von Stanley Kubrick)
Ein schönes Hotel... oder?

Natürlich bedarf es der nötigen Einweisung vor Ort und diesen Job übernimmt vor allem Küchenchef Dick Hallorann (Scatman Crothers). Dieser zeigt den Torrances jedoch nicht nur, wo alles steht und was es alles gibt. Nein, Dick erkennt in Danny auch das sogenannte „Shining“ – eine Gabe, mit welcher die jeweilige Person bereits Dinge vorab sehen kann und auch ohne Worte zu sprechen vermag. In dem Hotel gehen jedoch wesentlich unheimlichere Dinge als der kleine Danny mit seinem sprechenden Finger namens „Tony“ um. So heißt es, dass der Hausmeister, welcher sich Jahre vorher um das leere Hotel kümmerte, erst seine Familie und dann sich selbst auf bestialische Weise umbrachte. Einsamkeit an diesem (von der Außenwelt abgeschnittenen) Ort kann halt zu Langeweile und schrägen Phantasien führen…

Shining (von Stanley Kubrick)
Der große Empfangsbereich scheint jedenfalls sehr gemütlich.

So sieht Jack auch bald einen Barkeeper (Joe Turkel), trinkt mit Freude Alkohol, der nicht da ist, und besucht ein klassisches Fest im „The Golden Room“. Derweil sieht Danny eine Frau in der Wanne des Zimmers, welches Hotelkoch Dick ihm zuvor noch verboten hatte zu betreten. Die zwei getöteten Zwillingstöchter des vergangenen Hausmeisters, Blut aus den Fahrstühlen und vieles mehr. Die verlorenen Seelen des Hauses scheinen sich immer stärker durchzusetzen und nebenbei auch noch ihren Willen auf Jack zu projizieren. Wer glaubt, die Familie hätte einfach nur eine schwache Psyche und käme mit der Situation und der Umgebung schlichtweg nicht zurecht, der irrt jedoch. Es ist das Hotel und deren Ereignisse der letzten Jahrzehnte, die sich durch ihre brachiale und schreckliche Art und Weise in die Strukturen des Baus eingebrannt haben. Mit jedem Tag mehr werden sie deutlicher und der tödliche Wahnsinn nimmt immer mehr Gestalt an…

Shining (von Stanley Kubrick)
Jack (Jack Nicholson) plagt die Langeweile... oder ist es doch mehr?


Wer das Buch kennt, muss den Film anders betrachten. So erging es vielen Besuchern damals in den USA, als diese erst während des Kinobesuchs sahen, dass viele Dinge vor allem zum Endspurt hin anders laufen. So überlebt eine der im Film sterbenden Nebenfiguren eigentlich und im Buch explodiert das Hotel wie ein Hexenkessel und das Finale der Hauptfigur passierte so ebenfalls nicht. Es gab auch kein Labyrinth, sondern Hecken die wie Tiere gestutzt waren und die scheinbar lebendig waren. Was war also passiert, dass Kubrick in seiner Verfilmung so viel anders machte, als die Vorlage es anbot? Simpel: Der Erfolgsregisseur lehnte Kings Drehbuchversion ab und schrieb mit einem anderen Autor, dessen völlig anderes Buch Kubrick bevorzugte, die Geschichte in vielen Dingen um. Das gefiel King verständlicher Weise wenig, so monierte der Bestsellerautor auch, dass Hauptdarsteller Nicholson die eigentliche Hauptfigur der Geschichte verdrängte – und die war und ist in Kings Augen das Hotel selbst. Dieses hatte im Buch auch wesentlich mehr Schocker zu bieten und ging bei vielen Dingen bzgl. des Bösen dort auch mehr ins Detail. Noch andere Dinge gab es, die King missfielen, weshalb es kein Wunder ist, dass der enttäuschte Schriftsteller 1997 sein Buch selbst noch einmal in einer über vierstündigen Version neu verfilmte (als Drehbuchautor und Produzent) und damit auch die einzige von ihm autorisierte Fassung schuf.

Shining (von Stanley Kubrick)
Ehefrau Wendy (Shelly Duvall) und Sohn Danny (Danny Lloyd) haben zu Recht Angst!

Doch nun mal genauer zu Kubricks Variante: Von Beginn an vermischt sich hier die Einfachheit der menschlichen und zeitgemäßen Darstellung mit schauerlichen Geschichten über tragische und tödliche Vorkommnisse in diesem Luxushotel. Musikalisch untermalte Geräusche, die riesige Empfangshalle, die langen Flure, die vielen verschlossenen Türen, ein großer Labyrinth-Garten direkt vor der Tür – all das wird mit der Einfachheit der Hauptfiguren Stück für Stück kombiniert und das Schrecken nimmt dabei immer mehr Gestalt an. Leider ist optischer Grusel hier nur rar gesät, weshalb der eigentliche Horror sich immer wieder mit dem Psycho-Genre abwechselt und manche Entwicklung nicht ganz mit dem gefüllt ist, was man durchaus auch in diesem Streifen hätte anbringen können. Dennoch weiß Kubrick auch hier, was er tut. Viele Szenen, wo möglicher Schrecken eher zu kurz kommt, werden durch lange Kamerafahrten, gezielte Wechsel von Bild und Ton, sowie jegliche Andeutungen, die ein solcher Film haben kann, wieder aufgewertet. Das macht „Shining“ auch zu so einem Erfolg – neben dem Hauptdarsteller.

Shining (von Stanley Kubrick)
Eingeschneit in den Höhen des Gebirges gibt es keine Fluchtmöglichkeit...

Jack Nicholson, der vor „Shining“ vor allem durch seine Darstellung in „Chinatown“ oder „Einer flog über das Kuckucksnest“ mit Mimik und Gestik auffiel, überzeugt hier von Anfang bis Ende und heute wissen wir auch, dass dies bei dem Hollywoodstar nicht verwunderlich ist. Shelley Duvalls Darstellung als biedere und brave Hausfrau, die eher kuscht, um dann am Ende nur noch wie wild zu schreien und zu zicken, wirkt dagegen oftmals zu übertrieben, wird der Rolle jedoch in weiten Teilen wohl gerecht. Danny Lloyd überzeugt mit seinen erst sieben Jahren dagegen durchaus, kein Wunder also, dass er beim Casting für diese Rolle aus 5000 Bewerbern ausgewählt wurde.

Am Ende blieb ein Stück Filmgeschichte und ein Kult, der schon fast 30 Jahren anhält. Noch heute werden Szenen aus „Shining“ kopiert und in vielerlei Zusammenhängen (meist auf humoristische Weise) genutzt. Auch interessant ist das von Kubrick gewählte Ende, wo ein Foto als letzte Szene steht. Die unterschiedlichen Meinungen, was die Abschlusssequenz bedeuten könnte, machen durchaus Sinn, jedoch hat Kubrick sich selbst auch etwas dabei gedacht. Was, das könnt ihr weiter unten in den Hintergrundinfos nachlesen!

Shining (von Stanley Kubrick)
Hotelkoch Dick (Scatman Crothers) erkennt in Danny das "Shining".


  • Von Beginn an war Stephen King nicht zufrieden mit der Verfilmung seiner Geschichte. Mehr dazu erfahrt ihr im ersten Absatz vom Kritik-Text.
  • Kubrick selbst erklärte das Filmende, wo man die Hauptfigur auf einem Hotelfoto von 1921 sieht, in einem Interview damit, dass Jack eine Wiedergeburt eines früheren Hotelangestellten war.
  • "Shining" steht übrigens auch im Guinness-Buch der Rekorde, denn die Szene, in welcher Nicholson die Axt durch die Tür schlägt, musste laut Kubrick 127 mal gedreht werden.
  • Der damals siebenjährige Danny Lloyd wusste jahrelang nicht, dass es sich bei "Shining" um einen Horrorfilm handelt. Kubrick hatte den Knaben immer vom eigentlichen Thema des Films ferngehalten.
  • Laut Roman war das verbotene Zimmer das mit der Nummer 217. Das Hotel, in welchem der Film gedreht wurde, bat die Macher jedoch darum, die Zahl zu ändern, da man die Sorge hatte, dass nach der Veröffentlichung des Streifens kein Gast mehr besagtes Zimmer buchen würde. Somit gibt es im Film das Zimmer 237, welches das Hotel gar nicht hat.
  • Die Razzies, die goldene Himbeere, welche vor der Oscarverleihung immer schlechte Filme und Schauspieler auszeichnet, vergab für "Shining" einen Razzie an Kubrick für die schlechteste Regie und einen an Shelley Duvall als schlechteste Hauptdarstellerin. Eine Nominierung für die Oscars bekamen der Film und die Crew sowie die Darsteller erst gar nicht...

Shining (von Stanley Kubrick)
Zeit zum Spielen? "Immer und immer und immer..."

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Fakten
Originaltitel:
The Shining
 
deutscher Kinostart am:
16.10.1980
 
Genre:
Horror / Psycho / Thriller
 
Regie:
Stanley Kubrick
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Conway (77%),
Role F (83%)
 
Texte:
Conway
 
Diesen Film bewerten!
 


Synchronsprecher

SchauspielerSynchronsprecher
Jack NicholsonJörg Pleva
Shelley DuvallEva Kinsky
Scatman CrothersEdgar Ott



TV-Termine

DatumUhrzeitSender
25.12.2014 ²) 01:10 Kabel 1
²) Sendezeiten bis 05:00 Uhr sind in der Nacht zum Folgetag.


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