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28 Tage


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Wasser statt Wein: Niedrigprozentige Tragikomödie um eine drogensüchtige Sandra Bullock.


28 Tage (mit Sandra Bullock)Hollywood hat schon seit jeher eine Vorliebe für Bekehrungen. Immer dann, wenn gesellschaftliche Außenseiter reumütig in den Kreis der "normalen" Bürger zurückkehrten, triumphierte die traditionelle Moral über das wahre Leben. Das Kino als Erziehungsanstalt. Ausnahmen von dieser zwanghaften Regel, wie jüngst "American Beauty", blieben eben Ausnahmen und begründeten nie die Basis einer offeneren Erzähltradition.

Dieses holzschnittartige Vorgehen per se zu verurteilen, wäre vorschnell. In "28 Tage" jedoch zerstört es, wie in so vielen anderen Fällen auch, schon den filmischen Ansatz. Es ist förmlich spürbar, wie zwanghaft über die Person der drogensüchtigen Gwen (Sandra Bullock) dieses Muster gestülpt wurde und am Ende nichts mehr zusammenpasst. Die vordergründig idyllische Entziehungsklinik, in die Gwen nach einem Autounfall unter Drogen zwangseingewiesen wird, entpuppt sich schnell als Möchtegern-Schmiede für konforme Menschen. Natürlich werden die dort herrschenden strengen Regeln augenzwinkernd betrachtet - schon um den ein oder anderen billigen Lacher zu erheischen -, aber nie wirklich als "einzig richtige" Methode in Zweifel gezogen.

Das ist schade, denn wo nichts hinterfragt wird, bleibt die Spannung aus, die einen Film normalerweise tragen sollte. Weder aus dem, was Gwen erlebt, noch aus der überaus dürftigen Zeichnung ihres Charakters wird ihre Sucht erklärbar. Schon gar nicht nachzuvollziehen ist, warum gerade sie den selten erfolgreichen Sprung von der Abhängigkeit in die Abstinenz schaffen soll (und - den oben erwähnten Regeln zufolge - auch wird). Indem die alkoholsüchtige Mutter als Alibi auftaucht, macht es sich der Film viel zu leicht. Diese Nachlässigkeiten an anderer Stelle mittels Masse auszugleichen, funktioniert nicht: So wirken die Mitpatienten nur noch klischeehaft überzeichnet: Der Ex-Sportler, den Promille die Karriere kosteten; der verklemmte Sexsüchtige; die Selbstmord gefährdete, widerborstige Teenagerin - sie alle taugen nur dazu, in wenigen Szenen abgehakt zu werden.

28 Tage (mit Sandra Bullock)
Sandra Bullock (rechts) macht einen Entzug. Wer's glaubt...

Das generelle Manko an Glaubwürdigkeit liegt nicht an der schauspielerischen Leistung Sandra Bullocks, die in ihrer bis dahin ernsthaftesten Rolle leidenschaftlich flucht und auch physisch leidend wirkt. Trotzdem ist sie fehlbesetzt, weil man ihr einfach nicht abnimmt, dass sie den Kampf gegen die Drogen auch verlieren könnte. Denn ein solch sauberes Vorzeige-Mädchen, das sich dem Alkohol ergäbe und daran früher oder später zugrunde ginge, passte nicht in das Hollywood-Bild der Gesellschaft. Es wäre die Gesellschaft.

28 Tage (mit Sandra Bullock)

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Fakten
Originaltitel:
28 Days
 
deutscher Kinostart am:
04.05.2000
 
Genre:
Tragikomödie
 
Regie:
Betty Thomas
 
Dieser Film wurde bewertet von:
abu(49%)
 
Texte:
abu
 
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TV-Termine

DatumUhrzeitSender
29.01.2017 20:15 Sixx
03.04.2016 20:15 Sixx
²) Sendezeiten bis 05:00 Uhr sind in der Nacht zum Folgetag.


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