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Exorcist - Directors Cut


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** *** ***** *** *** - **** ***** 85%
 

 
Der Exorcist ist wieder da. Mit neuer Soundkulisse und zusätzlichen Filmminuten.


The Exorzist - Director's CutDie erfolgreiche Schauspielerin Chris MacNeil (Ellen Burstyn, siehe Foto) lebt gemeinsam mit ihrer 12jährigen Tochter Regan (Linda Blair) in einem Haus in Georgetown, dem Universitätsviertel von Washington. Während Chris inmitten von Dreharbeiten für einen Film steckt, beschäftigt sich ihre aufgeweckte Tochter damit, ihre Kreativität auszuleben, oder mit Chris' Assistentin Sharon (Kitty Winn) in gemeinsamen Spielen. Ihr Leben scheint unbeschwert und wird nur durch das ignorante Verhalten von Regans Vater, der getrennt von Chris und Regan lebt und in Europa verweilt, überschattet.

Unweit des kleinen Hauses der aufrichtig glücklichen Familie, im Wohnheim der Universität, lebt Jesuitenpater Damian Karras (Jason Miller), der sich in einer Glaubenskrise befindet. Er arbeitet als psychologischer Berater an der Fakultät und ist zwischen seinem Bewusstsein als Psychologe und der tief verwurzelten Gläubigkeit seiner eigenen, in New York lebenden Mutter hin und her gerissen.

Er sucht nach einem Weg, einen neuen Anfang in seinem Leben machen zu können, und stürzt sich aus Trauer über die eigene Unfähigkeit seiner pflegebedürftigen Mutter zur Seite zu stehen, in immer größere Kreise ziehende Selbstzweifel. Als die alte Dame griechischer Abstammung von seinem Bruder in eine psychiatrische Abteilung eingewiesen wird und bald darauf stirbt, sieht Damian sich jeglicher Perspektiven beraubt.

Chris bemerkt unterdessen in ihrem Haus sonderbare Geräusche auf dem Dachboden, die sie auf Ratten zurückführt. Sie bittet ihren Chauffeur und Butler Karl (Rudolf Schündler), sich der lästigen Nager mit Hilfe von Fallen anzunehmen. Trotz der Belastung durch ihren Beruf, entgeht der liebenden Mutter nicht, dass etwas mit Regan nicht zu stimmen scheint. Ihr hyperaktives Verhalten, die Lügen, welche sie ihrer Mutter aufzutischen versucht, veranlassen Chris, Regan untersuchen zu lassen. Der Mediziner Dr. Klein (Barton Heyman, siehe Foto) veranlasst eine Reihe von Tests und gelangt zu der irrwitzigen Überzeugung, dass mit Regan alles in Ordnung sein müsse, schiebt ihr Verhalten auf eine nervliche Überlastung und versucht mit einem Medikament, das Problem in den Griff zu bekommen.

The Exorzist - Director's Cut

Als Regans Verhalten jedoch immer extremer wird, die Mutter sich darauf keinen Reim mehr machen kann, werden weitere – barbarische – Untersuchungen veranlasst, die allesamt kein Ergebnis hervorbringen. Dr. Klein kommt gemeinsam mit seinem Kollegen überein, dass Regans Problem psychischer Natur sein müsse und empfiehlt einen stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt. Die Alternative, die alle Psychologen benennen, wäre eine Schocktherapie, in der Regan einem Exorzismus unterzogen werden sollte, der aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Bewusstseinsstörung auf Grund psychologischer Stimulans beenden könnte.

Als Chris' Regisseur und Freund Burke Dennings (Jack MacGowran) unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt und Lt. Kindermann (Lee J.Cobb) zu ermitteln beginnt, geht Chris auf, dass ihre Tochter vermutlich an dem Unglück beteiligt war.

Nachdem sie letzten Endes von dem vermeintlich besessenen Mädchen übel zugerichtet wird und Regan auf Grund ihres Verhaltens in ihrem Bett fixiert werden muss, ersucht sie Father Karras um einen Exorzismus. Dieser steht den Aussagen der mitgenommenen Mutter skeptisch gegenüber, gibt aber ihrem Drängen nach, sich das Kind anzusehen.

Was ihm in dem Zimmer des kleinen Mädchens widerfährt, ist eine wahre Prüfung seines Glaubens und zwingt ihn zu handeln.

The Exorzist - Director's Cut


Der Film lebt von der Tiefe seiner Darsteller. Langsam, aber sicher baut sich eine weitgehende Verbindung zwischen den einzelnen Charakteren auf und zeigt in aller Deutlichkeit den Leidensweg der kleinen Familie. Elly Burston, die in der Rolle von Chris MacNeil eine unheimliche Palette von Emotionen zeigt, scheint die Tochterliebe, die sich auch von extremsten Schicksalsschlägen nicht erschüttern lässt, nicht nur zu spielen, sondern wirklich nachzuempfinden. Sie begegnet jeder Facette der erkrankten Regan mit Mut und absoluter Entschlossenheit, ganz gleich, wie desolat ihr Zustand sein mag. Als Father Karras beweist auch Jason Miller, dass er in der Lage ist, einen festen Charakter zu spielen. Der innere Kampf zwischen Glauben und Wissenschaft, Rationalität und Wahn, wie auch die enge Bindung zu seiner kranken Mutter, sind mehr als glaubhaft.

Jeder der Beteiligten trägt seinen – enormen – Beitrag dazu bei, dass die Handlung eine gewisse Spannung in sich trägt, die nicht von der Hand zu weisen ist. Leider verliert der Film mit dem eigentlichen Exorzismus einen großen Teil seiner Emotionen. Das Ritual wirkt banal, der in den Körper des Kindes gefahrene Dämon mitunter lächerlich. Wenn man bedenkt, dass alles auf diesen Ritus hinausläuft, hätte Regisseur William Friedkin auch diesem letzten Part mehr von der Intensität geben können, die einem im vorhinein auffällt.

The Exorcist – Director’s Cut wurde in der Tat überarbeitet, was gerade beim Sound ins Auge (Ohr) sticht (klingt). Es scheint mitunter sogar so, als hätten die Techniker unbedingt beweisen wollen, dass ihnen nun Raumklang zur Verfügung steht, indem sie Getuschel, Raunen, Flüstern und Wispern aus allen Boxen des Systems erklingen lassen. Der spärliche Einsatz von Musik erweist sich in gewisser Weise als Entlastung und wirkt, als wolle er die Schwere einiger Szenen mildern wollen.

Die originalen Bilder, grobkörnig und verwackelt, fallen gerade am Anfang auf und treten im weiteren Verlauf immer wieder auf. Es fällt auf, dass mit den Mitteln der modernen Technik eine ungeheure Anzahl von Sublimationen entweder gänzlich neu eingefügt bzw. heraus gearbeitet wurden. So tauchen dämonische Fratzen und altertümliche Schriftzeichen von den ersten bis zu den letzten Szenen immer wieder auf, die selbst aus den Augenwinkeln und durch geschlossene Lider hinweg wahrgenommen werden.

The Exorzist - Director's Cut

Fazit: The Exorcist – Director’s Cut wird wohl kaum den gleichen Erfolg haben wie im Jahre 1973, wo er für 10 Oscars nominiert wurde und zwei davon auch erhielt. Dennoch, obgleich es an sich ein und derselbe Film ist, sollte sich jeder Liebhaber des Streifens die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Film in der überarbeiteten Version auf einer großen Leinwand anzusehen. Auch ansonsten ist The Exorcist – Director’s Cut ein ansehnlicher Streifen, der auf alle Fälle um Längen besser ist, als der kürzlich präsentierte Film "Lost Souls".

The Exorzist - Director's Cut


Als der Autor im Jahre 1969 mit der Niederschrift des Exorzisten begann, wurde er von einem Zeitungsbericht aus seiner Studienzeit, in Georgetown im Jahre 1949, inspiriert. In Mount Ranier, Maryland war an einem 14jähringen Jungen ein Exorzismus im Namen der Kirche durchgeführt worden.

Er litt unter schweren Krämpfen, fluchte gotteslästerlich, wechselte sein Verhalten auf gravierende Art und Weise binnen Sekunden.

Darauf hin wurde von der katholischen Kirche eine Teufelsaustreibung beschlossen, die jedoch keinen Erfolg hatte.

Auch in der Vergangenheit des Christentums traten genau jene Verhaltensmuster bei Menschen ans Tageslicht, die allgemein als besessen galten. Psychologen vermuten, dass es sich bei den Schilderungen um die Symptomatik des Torreet-Syndroms handelt, einer Erkrankung des ZNS.

Torreet-Patienten leiden unter motorischen Ticks, die sie dazu veranlassen, mitunter hektische Bewegungen auszuführen, die nicht ihrer Kontrolle unterliegen. Des weiteren leiden die meisten der an diesem Syndrom erkrankten Menschen an der sog. Echollalie, dem zwanghaften Wiederholen von Wörtern, Sätzen oder Tätigkeiten, und auch an Korprolalie, dem unkontrollierbaren Zwang zu fluchen. Dabei sind sie ansonsten ganz normal. Ihre Ticks jedoch, erscheinen dem Betrachter durchaus als durch eine äußere Kraft initiiert, was die Mutmaßung auf Besessenheit zulässt.

Auch berichten Patienten des noch immer weitgehend unerforschten Torreet-Syndroms immer wieder davon, dass sie mitunter den inneren Drang verspüren, sich selbst Schaden zuzufügen, in dem sie beispielsweise ihre Hand auf eine glühende Herdplatte legen, ein Glas in der Hand zerdrücken oder sich spitze Gegenstände in den Rachen, Hals oder die Augen rammen. Sie selbst können nicht sagen, warum genau sie diesen Zwängen unterworfen sind, und argumentieren oftmals in der Art, dass sie damit überprüfen, ob sie bluten bzw. Schmerz empfinden.

Wissenschaftler vermuten, dass das Torreet-Syndrom auf eine ganze Sammlung defekter Gene zurückzuführen sei, was jedoch noch nicht bewiesen ist. Dieser Schluss beruht lediglich auf der Tatsache der vielen unterschiedlichen Regionen im Gehirn, die Beeinträchtigung finden können und somit das unverwechselbar leidende Krankheitsbild prägen.

The Exorzist - Director's Cut

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Fakten
Originaltitel:
Exorcist - Directors Cut
 
deutscher Kinostart am:
15.03.2001
 
Genre:
Thriller / Horror
 
Regie:
William Friedkin
 
Dieser Film wurde bewertet von:
RS(87%),
DJMK(83%)
 
Texte:
DJMK
 
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03.04.2017 ²) 00:30 Tele 5
02.04.2017 22:00 Tele 5
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