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Von Löwen und Lämmern


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** ** ** ** *** - ***** ***** 78%
 

 
Robert Redford liefert mit zwei Dialogen und einer dritten Handlung an der Front eine Reflexion der derzeitigen politischen Gesellschaft Amerikas. Mit Meryl Streep, Andrew Garfield und Tom Cruise.

Von Löwen und Lämmern mit Robert Redford, Andrew Garfield, Meryl Streep und Tom Cruise.


Die Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) ist überrascht, dass der republikanische Senator Jasper Irving (Tom Cruise) sie zu einem Exklusiv-Interview einlädt und dann auch noch gleich eine ganze Stunde Zeit hat. Während der Senator ihr im Folgenden nun seine neue Kriegsstrategie erklärt, die gerade in diesem Augenblick bereits in Afghanistan in die Tat umgesetzt wird, begreift Janine nach und nach das Ausmaß dieser Entwicklung. Unaufhaltsam bahnt sich bei der Journalistin ein Déjà-vu an, begann doch ihre Karriere am Ende des Vietnam-Kriegs.

Von Löwen und Lämmern mit Robert Redford, Andrew Garfield, Meryl Streep und Tom Cruise.

Am anderen Ende der USA, in einer kalifornischen Universität, empfängt zur gleichen Zeit Professor Stephen Malley (Robert Redford) seinen Schüler Todd Hayes (Andrew Garfield), der ihm zwar durch intelligente und engagierte Wortbeiträge aufgefallen aber im vergangenen Semester immer seltener bei den Vorlesungen anwesend gewesen ist. Malley versucht, Todds Beweggründe zu verstehen und ihn wachzurütteln, dass er sein Talent nicht wegschmeißen darf.

Ebenfalls zeitgleich geraten zwei ehemalige Studenten von Professor Malley in Afghanistan in genau dem Einsatz, den Senator Irving konzipiert hatte, in einen Hinterhalt. Während nun im fernen Afghanistan ein Kampf um Leben und Tod beginnt, spitzen sich auch die Argumentationen in den beiden Gesprächen mehr und mehr zu.


Andrew Garfield in Von Löwen und LämmernVietnam!
Wenn dieser Film einige Monate vor der Eröffnung des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes in die Kinos kommt, fragt man sich natürlich direkt, welche politischen Zielsetzungen hinter der Aussage des Films stehen. Gegenüber der Journalistin Roth (und gleichermaßen gegenüber dem Zuschauer) gesteht ein von sich überzeugter designierter republikanischer Präsidentschaftskandidat im selben Atemzug die Fehler der bisherigen Kriegspolitik ein, indem er eine neue Strategie zur Lösung der Situation ins Spiel bringt: Den Sieg – koste es, was es wolle! In diesem Dialog, der ein Drittel des Films ausmacht, wirkt Tom Cruise in der Rolle des Senators eindeutig deplatziert. Trotzdem kommt die Botschaft beim Publikum an, was zu großen Teilen dem hervorragenden Minenspiel von Meryl Streep zu verdanken ist.

Der zweite Dialog, der sich zwischen dem von Robert Redford selbst verkörperten Politik-Professor und seinem talentierten aber scheinbar unmotivierten Schüler entwickelt, liefert zwei Erkenntnisse: Zum einen symbolisiert die Rolle des Studenten Todd Hayes die Problematik einer ganzen Generation, die in dieser globalisierten Welt vom Überfluss an Möglichkeiten überschwemmt ist, auf der anderen Seite aber nicht mehr daran glaubt, selbst etwas verändern zu können. Und außerdem macht in diesen Szenen der Newcomer Andrew Garfield positiv auf sich aufmerksam. Garfield und Redford sorgen dafür, dass man an einem an sich vom Inhalt her unspektakulären Gespräch großen Gefallen findet.

Der dritte Strang der in einander geschnittenen Handlung bringt dann das bei diesem Thema wohl unerlässliche Kriegsgeschehen, in dessen Verlauf nicht nur die Verbindung zwischen den drei gleichzeitig stattfindenden Szenerien deutlich wird, sondern natürlich auch die freiwillig für ihr Land in den Kampf Gezogenen den amerikanischen Heldentod sterben dürfen. Dieser Part ist zwar sicherlich kein Highlight des Films, lässt aber die in den beiden Dialogen gefallenen Worte in einer ganz anderen Deutlichkeit wirken. Es wird klar: Es geht nicht um die Theorie, das Besprochene passiert tatsächlich - gerade in diesem Augenblick.

An der einen oder anderen Stelle merkt man dem Film leider an, dass die letztendlich gezeigt Fassung wohl nicht der finalen, von Robert Redford gewollten Version entspricht. Immer wieder gibt es merkwürdig unstimmige Schnitte – teilweise sogar im laufenden Dialog. An einigen Stellen war die Synchronregie gezwungen, die deutschen Sprecher sehr schnell oder über die Lippenbewegung hinaus sprechen zu lassen. Eventuell wollte man wohl der für Robert Redfords Filme typischen Überlänge entgegen wirken. Wie auch immer: Im Ergebnis erlebt das (deutsche) Kinopublikum einen Film, von dem man entweder später sagen wird, dass er der erste war, der einem Massenpublikum die Parallelen zwischen Afghanistan/Irak und Vietnam aufgezeigt hat. Oder man wird sich nur an einen unbedeutenden Seitenhieb im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf erinnern. Wer weiß? Wer sich für diese Überlegungen interessiert, sollte "Von Löwen und Lämmern" in jedem Fall nicht verpassen.

Von Löwen und Lämmern mit Robert Redford, Andrew Garfield, Meryl Streep und Tom Cruise.

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Fakten
Originaltitel:
Lions for Lambs
 
deutscher Kinostart am:
08.11.2007
 
Genre:
Drama
 
Regie:
Robert Redford
 
Dieser Film wurde bewertet von:
RS(78%)
 
Texte:
RS
 
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Synchronsprecher

SchauspielerSynchronsprecher
Robert RedfordKaspar Eichel
Meryl StreepDagmar Dempe
Tom CruisePatrick Winczewski



TV-Termine

DatumUhrzeitSender
16.02.2016 20:15 RTL Nitro
29.04.2014 20:15 Tele 5
²) Sendezeiten bis 05:00 Uhr sind in der Nacht zum Folgetag.


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