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The Bang Bang Club


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
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Bitte Lächeln! Ein packendes Porträt über vier Fotografen, die mit ihren drastischen Bildern über die Unruhen Afrikas in den 90ern die Welt aufgerüttelt haben. Nach dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Greg Marinovich und Joao Silva.


Fotografieren ist die große Leidenschaft von Greg Marinovich (Ryan Philippe). Deshalb schließt er sich Anfang der 90er einer Gruppe freier Fotojournalisten in Süd Afrika an, die im dort in den Townships schwelenden Konflikt zwischen Zulus und ANC immer auf der Jagd nach dem besonderen Foto sind. Zusammen mit Kevin Carter (Taylor Kitsch), Joao Silva (Neels Van Jaarsveld) und Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach) bildet er den „Bang Bang Club“, der Anfang der 90er Jahre mit ihren Bildern über die Unruhen in den Townships Johannesburgs zu Weltruhm gelangt. Die Vier verbindet eine tiefe Freundschaft, die sie in Afrika nach getaner Arbeit ganz wie Rockstars mit Alkohol und Frauen zu feiern wissen. Dass Greg dabei noch einen Schritt waghalsiger ist, als seine Kollegen und bis in die Wohnungen einiger Zulu-Familien vordringt, die ihm mehr über den Zusammenhang des Konflikts und die Voreingenommenheit in der Berichterstattung erzählen, bringt ihm die Anerkennung der Fotoredakteurin der größten Südafrikanischen Zeitung ein. Und zwischen Robin (Malin Akerman) und Greg funkt es auch direkt gewaltig.

The Bang Bang Club

Immer wieder passieren Gräueltaten und Massaker zwischen den verfeindeten Gruppen. Und während Kevin sich noch bemüht, Greg zu integrieren, schaltet dieser schneller als erwartet und hält mit der Kamera (und richtiger Belichtungszeit) drauf, als ein Unschuldiger mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leibe verbrannt wird, bloß weil er der falschen Gruppe angehört und man an ihm ein Racheexempel statuieren will. Obwohl in Südafrika dieses Bild nicht gedruckt wird, greifen die internationalen Agenturen es auf und Greg erhält überraschend den Pulitzer-Preis.

Unterdessen geht es Kevin immer schlechter, da er in den Strudel der Drogenabhängigkeit geraten ist und am Sinn des Lebens zu zweifeln beginnt. Notgedrungen verlässt er das Land, um einen uninteressanten Fotoauftrag in einem Flüchtlingscamp zu übernehmen. Dass er dort überraschend das Motiv seines Lebens, ein halbverhungertes Mädchens, hinter dessen Rücken der Aasgeier schon lauert, mit der Kamera einfängt und anschließend ebenfalls den Pulitzer-Preis erhält, baut ihn jedoch keinesfalls auf, denn alle Welt möchte ihn nun für eine Heldentat loben, die zu tun er nicht in der Lage gewesen ist. Geplagt von Selbstzweifeln begeht er ein Jahr später Selbstmord...

Unmittelbar vor den Wahlen vom 27. April 1994 spitzt sich dann die Lage dramatisch zu. Gerade noch mutig mit Presseausweis zwischen den rivalisierenden Gruppen hin- und herspringend und in der Kampfzone ein Coca Cola kaufend, geraten die Fotografen plötzlich zwischen den Fronten in einen Kugelhagel…

The Bang Bang Club


Anfang der 90er Jahre, als in Afrika die Apartheit abgeschafft und Nelson Mandela freigelassen wurde, kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen den einzelnen schwarzen Parteien. Doch eine historische Aufarbeitung der damaligen Ereignisse findet nicht statt. Regisseur und Produzent Steven Silver konzentriert sich ganz auf die Arbeit der vier Fotografen des „Bang Bang Clubs“, ursprünglich zynischerweise „Bang Bang Paparazzi“ von einer Zeitung genannt, die ihnen egoistische Motive unterstellt hat.

Die Fotografien von Greg Marinovich, Kevin Carter, Ken Oosterbroek und Joao Silva gingen damals durch die ganze Welt, die im Prinzip erst durch die Aufnahmen überhaupt auf diesen Krieg aufmerksam wurde. Silver stellt die innere Zerrissenheit der Fotografen konsequent dar. Ihre Empathie muss weichen, um möglichst schockierende und zugleich qualitativ hochwertige Bilder zu erhaschen. Es wirkt geradezu grotesk, wenn sich die Menschen gegenseitig abschlachten und die Fotografen seelenruhig ihre Objektive austauschen.

The Bang Bang Club

Der Film stellt das moralische Dilemma solcher Kriegsfotografien dar. Darf man so etwas der Öffentlichkeit zeigen? Sind Bilder von den Opfern nicht pietätlos? In erster Linie versucht Silver aber die Seite der Fotografen und ihre fragwürdige Arbeit zu durchleuchten. Sie werden als Superstars dargestellt, angestachelt vom Nervenkitzel, die nach getaner Arbeit in die Bars gehen, trinken, rauchen und feiern. Doch wie sieht es mir ihrer menschlichen Seite aus? Eine Szene ist geradezu exemplarisch, wenn Marinovich mit ansieht, wie ein Mann mit Benzin übergossen und angezündet wird, und er die beste Möglichkeit sucht, das Geschehen auf Bild festzuhalten. Diese Tätigkeiten bleiben nicht ohne Folgen: Oosterbroek wird während eines Schusswechsels getötet; Carter geht an seiner inneren Zerrissenheit zugrunde und begeht Selbstmord.

Die Darsteller verkörpern diese Figuren auf eine sehr eindringliche Weise. Ryan Philippe beweist aufs Neueste, dass ein ernstzunehmender Schauspieler in ihm steckt, genauso wie Malyn Ackerman, die man neben „Watchmen – Die Wächter“ ja eher aus dem Comedyfach kennt. Die beachtlichste Leistung liefert aber Taylor Kitsch, der mit seiner inneren Zerrissenheit den Zuschauer fesselt. Auch wenn der Film nicht genauer auf die damaligen Zustände eingeht oder ein klares Statement zu der Arbeit der Fotografen abgibt, regt er doch zum Nachdenken an, in dem er Fragen aufwirft, über die Notwendigkeit solcher Aufnahmen und der Psyche derer, die dafür verantwortlich sind. Dank sorgfältiger Regiearbeit und überzeugenden Darstellern empfehlenswert. (WotsSe)

The Bang Bang Club

The Bang Bang Club ist einer der seltenen Filme, die die Situation der nicht-weißen Bevölkerungsgruppen in Südafrika aufgreift und teilweise in pseudo-dokumentarischem Stil die alltägliche Gewalt und die Todeswut einzelner Gruppen in den Townships einfängt. Dabei ist der Erzählstil eher chronologisch – wenn auch mit einem kleinen Kommentar zu Einführung –, als dass dieser Film auf einen tatsächlichen Höhepunkt zusteuern würde. Nachdem jahrelang alles gut ging, kommt das Desaster zum Filmende eher überraschend als konsequent. Zwischenzeitlich hatte man angesichts der tief gezeichneten Drogen- und Selbstvorwurf-Thematik fast schon nicht mehr damit gerechnet.

Passend zum Thema baut sich der Film tatsächlich um einige wenige höchst intensive Fotografien herum auf. Gerade als die Entstehung des zweiten Pulitzer-Preis-gekrönten Bildes gezeigt wird, sind Unheil und Verhängnis zum Greifen nah. Somit sagt das, was quasi durch die Augen der Hauptfiguren auf der Leinwand als Schnappschuss festgehalten wird, mehr über Emotionen, Charakter und Wirkung aus, als die Schauspieler dieser Figuren selbst darstellen können. Insgesamt punktet „The Bang Bang Club“ allein durch die sehr gelungene Erzeugung der Atmosphäre der frühen 1990er in Südafrika und natürlich durch die überragende Bildkraft einzelner Motive. (RS)

The Bang Bang Club

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Fakten
Originaltitel:
The Bang Bang Club
 
deutscher Kinostart am:
23.06.2011
 
Genre:
Drama / Biographie
 
Regie:
Steven Silver
 
Dieser Film wurde bewertet von:
WotsSe (80%)
RS (72%)
 
Texte:
WotsSe
&
RS
 
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