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J. Edgar


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
** * *** ** ** **** **** *** 69%
 

 
J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) hat durch den Lindbergh-Fall die Gelegenheit zu demonstrieren, wozu sein junges FBI in der Lage ist, doch sein Privatleben ist durch die Arbeit und Gesellschaft unterdrückt. Clint Eastwoods neue Regie-Arbeit ist ein toll besetztes und ausgestattetes, aber erzählerisch etwas wirres Werk.

J. Edgar (von Clint Eastwood)


Der 1985 in Washington geborene Jurist John Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) erlebt 1919 Bombenattentate auf seinen Chef als bolschewistisch-kommunistische Angriffe. Er wird als Ermittlungsleiter des Bureau of Investigation eingestellt, einer Abteilung des Justizministeriums. Unter seiner Leitung baut Hoover in über 60 Jahren das heutige FBI auf. Doch anfangs nimmt ihn kaum jemand ernst.

Mit der Unterstützung seiner treuen Sekretärin (Naomi Watts) und getrieben von seiner alleinerziehenden Mutter Anna Marie (Judi Dench) widmet er sein ganzes Leben der Arbeit beim FBI. Durch akkurates Auftreten aller Angestellten und durch Comicbücher versucht er, das Bureau in der Bevölkerung beliebter zu machen, aber erst die Entführung des Kindes von Flugpionier Charles Lindbergh (Josh Lucas) gibt Hoover die Chance zu beweisen, dass seine wissenschaftlichen Methoden die Kriminalistik revolutionieren können.

J. Edgar (von Clint Eastwood)
J. Edgar hat ein enges Verhältnis zu seiner alleinerziehenden Mutter Anna Maria (Judi Dench).

Für das FBI setzt sich J. Edgar über einige Hürden hinweg, kämpft für mehr Rechte und Anerkennung seines Bureaus, setzt Präsidenten unter Druck und opfert auch bereitwillig sein Privatleben. Doch eines Tages wird ihm Clyde Tolston (Armie Hammer) vorgestellt, welcher gerade sein Jurastudium beendet und sich beim FBI beworben hat. Hoover nimmt ihn in seinen Kader ausgewählter Agenten auf und macht ihn zu seiner rechten Hand.

Von Anfang an sind die beiden Männer sehr vertraut miteinander. Clyde kleidet J. Edgar neu ein, sie essen jeden Tag zu Mittag und arbeiten Seite an Seite. Doch ihre Arbeit wie auch das gesellschaftliche Umfeld lassen ihnen nicht viel Freiraum. Und dann entscheidet J. Edgar, der mit Filmstars und High-Society-Leuten verkehrt, dass es an der Zeit ist, eine Frau in seinem Leben zu haben...

J. Edgar (von Clint Eastwood)
J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) revolutioniert das FBI.


J. Edgar Hoover, Gründer und über Jahrzehnte Leiter des FBI, ist der Vater der modernen Kriminalistik und der zentralen Erfassung von Fingerabdrücken. Sein lebenslanger Einsatz für das Federal Bureau of Investigation, für Gesetzesdurchsetzung, politische Macht, aber auch seine paranoiden Tendenzen, dass die amerikanische Gesellschaft vom Kommunismus bedroht sei, wird anhand einiger wichtiger Kriminalfälle dargestellt. Zu diesem Zwecke springt der Film – teils etwas wirr – zwischen verschiedenen Abschnitten seines Lebens hin und her.

Wie der Film zeigt, war er auch besessen von der äußeren Erscheinung und vom Eindruckmachen. Hoover war aber auch gleichermaßen ein Meister darin, sein eigenes Privatleben geheimzuhalten – das heißt, falls er denn eines besaß. Nur sehr wenig ist bekannt über seine Beziehungen, aber es gibt Gerüchte, dass er gern Frauenkleider trug. Schon zu seinen Lebzeiten munkelte man über eine homosexuelle Liebesbeziehung zu seinem Mitarbeiter und engen Vertrauten Clyde Tolston.

J. Edgar (von Clint Eastwood)
Hoover wurde oft eine homosexuelle Beziehung zu Clyde Tolston (l., Armie Hammer) nachgesagt.

Wie vertraut Hoover mit Tolston wirklich war und wie er zu seiner Mutter stand, dies versucht das Biopic "J.Edgar" zu erörtern. Leider kommt die Beziehung zu Mutter Anna Marie, die mit Judi Dench genial besetzt ist, viel zu kurz. Der Film vermittelt ein bisschen den Eindruck, als stünde seine obsessive Arbeit für das FBI in einem Zusammenhang damit, dass er seine homosexuellen Neigungen nicht ausleben konnte. Ob das so stimmt, sei dahingestellt.

Denn trotz des biographischen Anspruchs (auf die politische Karriere bezogen) geht es in dem Film mitunter fiktiv, will heißen sehr spekulativ zu. Niemandem ist bekannt, was hinter Hoovers verschlossenen Türen wirklich geschah. Die Szenen, in denen J. Edgar und Clyde ihre zurückhaltende Liebe (mit teils kitschiger Musik unterlegt) andeuten, sind zwar die ansprechendsten des Films, aber auch die am wenigsten historisch haltbaren. Wenig verwunderlich, wenn man weiß, dass Drehbuchautor Dustin Lance Black einen Oscar für "Milk", die große schwule Filmbiographie, gewonnen hat.

J. Edgar (von Clint Eastwood)
Hoovers treue Sekretärin Helen Gandy (Naomi Watts).

Regisseur Clint Eastwood („Million Dollar Baby“, „Der fremde Sohn“) hat die anspruchsvolle Verfilmung, welche immerhin viele Jahrzehnte umspannt, ganz gut, aber recht klassisch gemeistert. Dabei haben ihm die hervorragenden Darsteller – Leonardo DiCaprio übertrifft sich wieder einmal – wie auch die Kostümdesignerin Deborah Hopper wie das perfekte Produktionsdesign maßgeblich unterstützt.

Dennoch hechelt der Film etwas ziellos durch 135 Minuten, versucht Politik und FBI mit J. Edgars Privatleben zu kombinieren und durch Stichworte in einen Zusammenhang zu setzen – woran der Film letztendlich scheitert. Als Liebesdrama in einer unterdrückenden Zeit funktioniert „J. Edgar“ hervorragend; als Biographie einer wichtigen Persönlichkeit schon weniger, weil der Charakter Hoovers nicht ganz greifbar wird. Die Kombination aus beiden macht den Film jedoch zu einem eher wirren, überfordernden Werk.

J. Edgar (von Clint Eastwood)
DiCaprio als alternder FBI-Chef.

J. Edgar (von Clint Eastwood)
Regisseur Clint Eastwood und sein Haupdarsteller bei der Arbeit...

J. Edgar (von Clint Eastwood)

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Fakten
Originaltitel:
J. Edgar
 
deutscher Kinostart am:
19.01.2012
 
Genre:
Filmbiographie / Drama
 
Regie:
Clint Eastwood
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Martin(69%)
 
Texte:
Martin
 
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Synchronsprecher

SchauspielerSynchronsprecher
Leonardo DiCaprioGerrit Schmidt-Foss
Geoffrey PiersonDieter Memel
Ed WestwickStefan Günther



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