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Fliegende Liebende


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
*** *** *** ** *** *** *** **** 69%
 

 
In einem Flugzeug mit Fehlfunktion sind die Stewards und Passagiere am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die neue Komödie von Pedro Almodóvar ist nicht zum Brüllen komisch, aber witzig abgehoben.

Fliegende Liebende (von Pedro Almodóvar)


Am Flughafen von Madrid haben Bodenpersonal Jessica (Penélope Cruz) und León (Antonio Banderas) allen Grund zum Feiern. Wie kann man es ihnen da übel nehmen, dass sie nicht nur einen Kollegen fast anfahren, sondern auch eine klitzekleine Kleinigkeit vergessen?

Wenig später ist der Peninsula-Flug 2549 nach Mexiko-City in der Luft und die drei Stewards Joserra (Javier Cámara), Fajas (Carlos Areces) und Ulloa (Raúl Arévalo) versuchen, den Fluggästen der Business-Class die Reise so angenehm wie möglich zu machen. Während Joserra einen Kurzen nach dem anderen hinunterstürzt und Fajas zu seinem Tempel im Handgepäck betet, betritt eine Passagierin das Cockpit von Flugkapitän Álex Acero (Antonio de la Torre) und Ko-Pilot Benito Morón (Hugo Silva).

Fliegende Liebende (von Pedro Almodóvar)

Bruna (Lola Dueñas) ist hellsichtig, nimmt über dem Gemächt des Piloten spirituellen Kontakt auf und prophezeit, dass etwas Außergewöhnliches passieren wird und dass sie noch am selben Tag ihre Jungfräulichkeit verlieren wird. Was normalerweise verrückt klingen würde, beunruhigt die Besatzung über alle Maße, denn das Flugzeug hat eine Fehlfunktion, kreist irgendwo über Spanien und wartet auf Freigabe einer Notlandebahn. Leider sind die spanischen Flughäfen alle pleite.

So tun die drei verzickten Flugbegleiter alles in ihrer Macht stehende, um die aufgebrachten Passagiere zu beruhigen und zu bespaßen – was gar nicht so einfach ist, denn die paranoide Prominente Norma Boss (Cecilia Roth) sammelt bereits Unterschriften für ihren Beschwerdebrief. Da müssen Jossera, Fajas und Ulloa Härteres servieren, um die Stimmung zu beruhigen: Alkohol und Rauschmittel...

Fliegende Liebende (von Pedro Almodóvar)


In gut 40 Jahren hat Pedro Almodóvar viele Filme ("Alles über meine Mutter", "La mala educación", "Volver") gemacht und sich zum weltweit bekanntesten spanischen Regisseur entwickelt. Immerhin hat er 2002 auch für "Sprich mit ihr" einen Drehbuch-Oscar gewonnen. Von Anfang an gehört der schrill-bunte und etwas überdrehte oder absurde Ton zu seinen Filmen. In den letzten Jahren war er mit "Zerrissene Umarmung" und "Die Haut, in der ich wohne" etwas düsterer geworden. Doch jetzt versucht er, wieder zu seinen Komödienwurzeln zurückzukehren.

Das seltsame daran: so absurd und abgedreht die Ideen auch sind, ist "Fliegende Liebende" kein Film mit zum Auflachen komischem Witz – vielleicht lag dieser Umstand aber auch an der Zurückhaltung bei der Pressevorstellung. Wie gesagt sind Almodóvars Ideen und Filmcharaktere schön überzogen und insofern durchaus unterhaltsam. Doch zumindest für mich gab es wenige wirklich überraschende Momente – und Humor lebt bekanntlich stark von Überraschung. Dennoch habe ich den Film gerne gesehen.

Fliegende Liebende (von Pedro Almodóvar)

Vielleicht hat Almodóvar etwas seinen Biss verloren, vielleicht hat der Autor und Regisseur einfach nur einen kleinen Fehlgriff getan. Der schwule Filmemacher hat ja schon etwas länger nicht mehr so explizit schwule Figuren entworfen. Selbstverständlich gibt es im echten Leben viele homosexuelle Flugbegleiter, doch seine schrille Überzeichnung wirkt fast schon wieder altbacken. Und dann sollen die drei Stewards auch noch mit einer Tanzeinlage zu "I'm So Excited" von den Pointer Sisters die Fluggäste belustigen. Es ist zwar irgendwie authentisch, dass ihre Darbietung nicht perfekt ist – immerhin sind die Figuren keine Unterhaltungskünstler. Doch leider ist die Choreographie nicht die erhoffte Stimmungsauflockerung, nicht sonderlich "exciting".

Zwar spielt die Handlung fast durchgehend im Flugzeug, doch wird der Film eingerahmt von Bodenszenen zu Anfang und Ende. Außerdem zerschneidet eine längere Bodenszene zur Mitte den Film. Das bietet etwas Kontext, unterbricht aber auch den Erzählfluss. Nach diesem Einschnitt steigt "Fliegende Liebende" noch etwas höher. Oder sollte ich "higher" schreiben? Denn dank der Drogen, die die Flugbegleiter austeilen und selbst konsumieren, kommt es zu einigen Sexkapaden.

Fliegende Liebende (von Pedro Almodóvar)

Auch die fantastische Besetzung kann einige Luftlöcher des Films auffangen. Erwartet nicht zu viel von Cruz und Banderas, denn diese beiden haben wirklich nur kurze Auftritte. Doch wie diese beiden haben ein Großteil der Darsteller schon mehrfach mit Almodóvar (Javier Cámara, Cecilia Roth, Lola Dueñas, Blanca Suárez) gedreht oder sind gerade angesagte Schauspieler in Spanien (Hugo Silva, Raúl Arévalo).

So wirkt "Fliegende Liebende" streckenweise etwas bemüht auf mich. Andere hingegen mögen den Film leichfüßig und leicht empfinden. Und auch wenn sich diese Kritik relativ negativ lesen mag, ist der Film doch durchaus interessant und wird bei anderen Vorstellungen sicherlich für Gelächter sorgen. Auf jeden Fall solltet ihr den Trailer testen, denn der kann euch ein gutes Gespür für den Film geben.

Fliegende Liebende (von Pedro Almodóvar)

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Fakten
Originaltitel:
Los amantes pasajero
 
deutscher Kinostart am:
04.07.2013
 
Genre:
Komödie
 
Regie:
Pedro Almodóvar
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Martin(69%)
 
Texte:
Martin
 
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Synchronsprecher

SchauspielerSynchronsprecher
Carlos ArecesChristian Gaul
Javier CámaraTimmo Niesner
Raúl ArévaloTobias Nath



TV-Termine

DatumUhrzeitSender
07.04.2016 ²) 01:15 Arte
16.03.2016 20:15 Arte
²) Sendezeiten bis 05:00 Uhr sind in der Nacht zum Folgetag.


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