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Interior. Leather Bar.


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
*** ** ** - *** ***** *** ** 61%
 

 
James Franco und Ko-Regisseur Travis Mathews wollen die angeblich verlorenen 40 Minuten des Al-Pacino-Films „Cruising“ neu verfilmen und stoßen auf moralische und künstlerische Hürden bei ihren Darstellern. Gewagter, expliziter Film im Making-of-Stil.

Interior. Leather Bar.


Angeblich sind 40 Minuten aus dem 1980er Film "Cruising" von William Friedkin mit Al Pacino herausgeschnitten worden. Ohnehin hatte der Film, in dem ein Polizist verdeckt einen schwulen Mord ermittelt, schon große Proteste der Schwulenszene hervorgerufen und mit diesem sexuell aufgeladenen 40 Minuten befürchtete man – so geht die Legende – die Freigabe des Films.

Schauspieler und Ko-Regisseur James Franco sowie sein Ko-Regisseur und Autor Travis Mathews wagen sich daran, diese verlorenen und nie gesehenen Szenen über 30 Jahre später nachzustellen und neu zu erfinden. Die Darsteller, allen voran Hauptdarsteller Val Lauren, der den Al-Pacino-Charakter übernehmen soll, haben jedoch einige Bedenken, besonders wegen der expliziten Darstellung von schwulem Sex.

Interior. Leather Bar.


James Franco, der vielseitige Hans-Dampf-in-allen-Gassen Hollywoods, hat nicht nur in "Spider-Man" und dem für 6 Oscars nominierten Gus-Van-Sant-Film "127 Stunden" gespielt, sondern auch den Teddy Award der Berlinale für einen seiner Kurzfilme gewonnen. Denn Schauspiel ist Franco schon lange nicht genug und so studiert er Film und dreht eigene Filme. Dass viele davon sich mit schwulen oder queeren Themen beschäftigten, hat schon zu einiger Verwunderung geführt.

Für seinen Film "Interior. Leather Bar.", der 2013 beim Sundance und der Berlinale vorgestellt wurde, hat Franco sich mit dem schwulen Filmemacher und Autor Travis Mathews zusammengetan. Mathews hat sich mit sehr natürlichen Gay-Sexaufnahmen in seinen Projekten "In Their Room" und "I Want Your Love" profiliert. Zusammen machten sich die beiden daran, die SM-Szenen aus "Cruising" nachzustellen.

Interior. Leather Bar.

Doch was in der Beschreibung wie ein Remake klingt, führt möglicherweise in die Irre, denn es handelt sich eher um ein Making-Of-/Mockumentary-Konzept, in dem die Motivationen der Darsteller und insbesondere die Homophobie und Ablehnung von Hauptdarsteller Val Lauren ("Sal", "The Salton Sea") vorgeführt werden. Zwar wurden auch einige Lederbar-Sequenzen fertig montiert, wie sie im Remake aussehen könnten, doch die meisten Szenen von "Interior. Leather Bar." finden hinter den offiziellen Kameras (und doch wieder vor der Kamera) statt. Teils glaubt man sich bei einer Folge von "Versteckte Kamera" zu sein, aber auch das ist inszeniert.

Somit bewegt sich der 60 Minuten kurze Film in der Grauzone zwischen vermeintlich Dokumentarischem und Inszeniertem, zwischen Realität und Fiktion. Dass nach längerer Drehbucharbeit die tatsächliche Produktion des Projekts in mehr oder weniger 3 Wochen umgesetzt wurde, sieht und merkt man dem Film an. Besonders rund oder authentisch wurde es nicht umgesetzt, wie man z.B. am Blümchensofa in der Lederbar sieht. Aber auch der Punkt, auf den die Filmemacher mit ihrem Werk hinaus wollen, ist nicht wirklich ausgearbeitet. So bleibt der Film ein Streitpunkt, der nur für Furore sorgte, weil Disney-Schauspieler James Franco sich an expliziten schwulen Sex heranwagte. Das ist zwar mutig und könnte seiner Karriere in den USA abträglich sein, aber ob das auch gut ist?

Interior. Leather Bar.

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Fakten
Originaltitel:
Interior. Leather Bar.
 
deutscher Kinostart am:
17.10.2013
 
Genre:
Mockumentary / Drama
 
Regie:
James Franco & Travis Mathews
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Martin(61%)
 
Texte:
Martin
 
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