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Reine Männersache


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
**** ** *** ** **** *** *** **** 76%
 

 
Die besten Freunde Michael (Nicholas Braun) und Matty (Hunter Cope) wollen bis zum College ihre Jungfräulichkeit verlieren und schließen einen Pakt, doch dann outet sich der völlig unaffektierte Matty als schwul. Dieser Film bricht das Genre mit dem unstereotyp schwulen Hauptcharakter auf und zeichnet sich durch die gute Entwicklung der Freundschaft aus.

Reine Männersache


Bereits seit frühster Kindheit sind Michael (Nicholas Braun) und Matty (Hunter Cope) beste Freunde, doch jetzt sind sie 18, lassen demnächst die Highschool hinter sich und werden aufs College gehen. Trotz ihrer Freundinnen hatten die beiden jungen Männer immer noch keinen Sex und wir wissen alle: das darf nicht so bleiben. Also macht Michael mit Ava (Sarah Hyland) und Matty mit Em (Dakota Johnson) Schluss und sie schließen einen Pakt, bis zum Abschlussball ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Allerdings muss Matty seinem besten Freund vorher noch etwas sagen: er ist schwul.

Zuerst hat Michael Probleme mit Mattys Homosexualität, aber weil Matty selbst so entspannt damit umgeht, beruhigt sich auch Michael bald – und will den Pakt einhalten. Deswegen versucht Michael, in einer Disco oder Bar Matty einen Kerl zu besorgen, während er selbst ein Auge auf Em wirft…

Reine Männersache


Wir haben alle schon mal Highschool- oder College-Teenie-Sex-Komödien gesehen: "American Pie" oder "Superbad" aus den USA, den deutschen "Harte Jungs" oder den britischen "Sex on the Beach". Die meisten von ihnen sind ziemlich stereotyp, fast ausschließlich heterosexuell und großteils auf männliche Protagonisten konzentriert, während junge Frauen dabei nur als Beute herhalten dürfen. In den letzten Jahren gab es nun einige emanzipierte weibliche Ausnahmen wie "Einfach zu haben" oder "Die To-Do-Liste". Diese haben das Thema Sexualität zwar wesentlich intelligenter angegangen, aber das vor allem auch aus der Not heraus, die Geschlechter-Doppelmoral aufarbeiten zu müssen. Genau an solchen Punkten kommt der Doppelstandard unserer Gesellschaft zum Vorschein, dass viele sexuelle Abenteuer gesammelt zu haben bei Jungs als positiv, bei Mädchen jedoch sehr negativ bewertet wird.

Und weil in den meisten Teen-Sex-Komödien junge Männer im Fokus stehen, die ihre Männlichkeit beweisen müssen, verwundert es nicht, dass die größte Bedrohung im Verlust ihres männlichen Stolzes, ihres Machismo liegt. Das beginnt damit, jeden Anschein von Unmännlichkeit oder Weichheit auszumerzen und bloß kein Weichei zu sein, und endet in der Ablehnung männlicher Homosexualität – in der Annahme, dass dabei unabdinglich "weibliche" Wesenszüge oder Rollen angenommen werden. Nicht umsonst grenzen sich Schüler weltweit von allen "verweiblichten" Merkmalen ab und machen "schwul" zum Schimpfwort Nummer 1.

Reine Männersache

Die Haltung gegenüber und Darstellung von schwulen Charakteren in diesem Genre, das den Mainstream zu bedienen versucht, scheint sich in den letzten 10-15 Jahren allmählich gelockert und entspannt zu haben. Seitdem Ashton Kutcher und Seann William Scott in "Ey Mann, wo is' mein Auto?" sowie Bradley Cooper in "Wet Hot American Summer" zur Jahrtausendwende positiv besetzte männliche/schwule Küsse auf die Leinwand brachten, hat sich natürlich nicht schlagartig alles verändert. Aber das Genre hat sich zumindest so weit gelockert, dass das Mainstream-Studio Lionsgate ("Tribute von Panem", "Saw") mit "Reine Männersache" einen Film produzierte, der das Genre um einen entspannten schwulen Hauptcharakter bereichert – der sich jedoch von allem, was "zu schwul" ist, distanziert. Das ist keineswegs Homophobie durch die Hintertür (Tschuldigung für diesen Wortwitz), sondern etwas, was viele Schwule selbst so empfinden: Natürlich gibt es eine Berechtigung für Tunten, Androgyne und Queer-Boys, aber viele lieben halt auch Männer für ihre Männlichkeit.

"Reine Männersache" setzt genau dort an. Sein schwuler und doch eher "unschwuler" Charakter Matty hat selbst kein großes Problem mit seiner Homosexualität, sondern ein gesundes Selbstwertgefühl. Und er geht die Suche nach einem Sex- oder Liebespartner wesentlich gelassener an als sein Heterofreund Michael, der ihn in verschiedene Szenelokale schleift. Überhaupt ist Michael anfangs einer der wenigen, der ein Problem damit hat. Aber durch ihre Freundschaft und gemeinsamen Erlebnisse entwickelt auch Michael eine selbstbewusstere und emanzipiertere Einstellung zu Homosexualität. Andererseits ist Matty verwundert, als er den "unschwulen" schwulen Greg (gespielt von Zach Cregger) kennen lernt. Offensichtlich hatte Matty geglaubt, er sei der einzige unaffektierte Schwule. Daran wird klar, in welche Richtung und wie stark das gesellschaftliche Bild von Schwulen geprägt ist. Als Komödie spielt "Reine Männersache" selbst mit diesen Vorurteilen – und unterstützt in gewisser Weise ein wenig die Ablehnung von huschigen, quirligen Schwulen. Dennoch zeichnet sich der Film durch seine sonst durchweg positive Darstellung aus.

Reine Männersache

Die wichtigste Beziehung in "Reine Männersache" ist und bleibt den Film über die Freundschaft von Michael und Matty, die durch Mattys Schwulsein und die Wellen, die dies in ihrem Umfeld schlägt, geprüft wird. Die Dynamik zwischen ihnen ist es, was am besten funktioniert. Der recht konventionell ansetzende Humor gerät darüber ins Hintertreffen und zündet nicht an allen Stellen. Wer sich "Reine Männersache" allein wegen der Lacher ankucken will, wird eventuell leicht enttäuscht. In seiner intelligenteren, emanzipatorischen Art steht "Reine Männersache" näher bei "Einfach zu haben" als "American Pie". Gleichzeitig kann man "Reine Männersache" als unaffektierten Gegenentwurf zur schrill-schwulen und äußerst lustigen Genreparodie "Another Gay Movie" (aber nur Teil 1 ansehen!) gesehen werden. Autor Alan Yang ("Parks and Recreation") und der schwule Regisseur Chris Nelson und ihren recht unbekannten Hauptdarstellern gelingt es, einen lockeren Charme in diesem Low-Budget-Film aufzubauen. Durch die Entwicklung der Freundschaft und seinen (humorig-)dramatischen Unterhaltungswert ist ihr Film bestimmt keine Zeitschwendung.

Reine Männersache

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Fakten
Originaltitel:
Date and Switch
 
auf DVD/Blu-ray/VoD ab:
27.07.2014
 
Genre:
Komödie / Drama
 
Regie:
Chris Nelson
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Martin(76%)
 
Texte:
Martin
 
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