entertainweb Cineclub Facebook Twitter
Cineclub - Kino und mehr

Bridge of Spies - Der Unterhändler


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** *** **** ** **** - **** ***** 80%
 

 
Zum Höhepunkt des Kalten Krieges reist James Donovan (Tom Hanks) nach Ostberlin, um über die Freilassung zweier amerikanischer Gefangenen zu verhandeln.

Bridge of Spies (mit Tom Hanks)


Als der vermeintlich russische Spion Rudolf Abel (Mark Rylance) vom FBI in New York gefasst wird, soll er einen fairen Prozess bekommen – zumindest soll es für die Öffentlichkeit so aussehen. Schließlich wendet man sich an den Versicherungsanwalt James B. Donovan (Tom Hanks), der für sein Verhandlungsgeschickt bei den Nürnberger Prozessen bekannt ist. Donovan erklärt sich nach einigem Zögern bereit, Abel zu vertreten. Doch mit Donovans Entschlossenheit, das Beste für seinen Mandanten zu erreichen, hatte niemand gerechnet. Daher macht er sich zunehmend unbeliebt in der amerikanischen Öffentlichkeit und sogar seine Familie leidet darunter. Trotz dürftiger Beweislage gelingt ihm kein Freispruch. Dennoch kann er den Richter davon abbringen, eine Todesstrafe auszusprechen.

Bridge of Spies (mit Tom Hanks)
v.r.: James B. Donovan (Tom Hanks) und "sein Mann" Rudolf Abel (Mark Rylance) vor Gericht.

Obwohl die Beteiligten – die staatlichen Behörden sowie die Öffentlichkeit – zunächst skeptisch sind, macht sich diese Milde schon nach wenigen Wochen bezahlt, als ein amerikanischer Pilot über sowjetischem Gelände abstürzt. Zur Verhandlung über einen Austausch wird James Donovan nach Ost-Berlin geschickt, wo bald eine Mauer errichtet werden soll und sich die Lage des Kalten Krieges immer weiter zuspitzt…

Bridge of Spies (mit Tom Hanks)
Donovan versucht seine Familie vor der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu schützen.


Zu Anfang scheint der bodenständige Versicherungsanwalt James Donovan in zu große Schuhe geraten zu sein. Obwohl man ihn in die undankbare Rolle des Strafverteidigers eines Staatsfeindes drängt, hat man nach den ersten guten Absichtsbekundungen Donovans schon kein Verständnis mehr für ihn übrig. Die Anfeindungen in der Öffentlichkeit lassen seine Entschlossenheit jedoch noch weiter steigen und der Zuschauer merkt (durch die Wahrnehmung des Angeklagten „Oberst Abel“ verstärkt), welch starker Charakter in dem einst so unscheinbaren Anzugträger steckt. Zu seinem Mandanten baut Donovan eine solide Respektsverbindung auf, die auf Gegenseitigkeit beruht. Bemerkenswert hierbei ist, dass Donovan in einem Versicherungsfall vor der Übernahme der Strafverteidigung nicht von „seinem Mann“ spricht sondern von „dem Mann, der bei seinem Mandanten versichert sei“. Rudolf Abel, der vermeintliche Agent der Sowjetunion, wird jedoch nach Donovans Wahrnehmung überraschend schnell zu „seinem Mann“. Trotz dessen kann er keine Freilassung bewirken, was jedoch keinesfalls ein Scheitern bedeutet, denn er hat alles gegeben und zumindest Abels Todesurteil verhindert. Donovan schließt diesen Fall mit reinem Gewissen… zunächst.

Bald schon geht seine Rechnung auf, dass die USA einen vergleichbaren Gegenwert zum Tausch gegen einen ihrer Männer benötigen (Hinweis der Redaktion: In Wirklichkeit lagen fünf Jahre zwischen der Gefangennahme Rudolf Abels und dem Abstürzen Francis Gary Powers‘). Angekommen in Ost-Berlin ist die Eiseskälte des deutschen Winters nicht das Einzige, was ihn frösteln lässt: Die Fronten aller Seiten wirken wie in bitterer politischer Kälte erstarrt. Inmitten des Kalten Krieges kämpft die Deutsche Demokratische Republik um ein Anerkennungsrecht als souveräner Staat, vor allem bei den Angehörigen der Alliierten. Hinzu kommt noch, dass nun eine Mauer mit einer sogenannten „Todeszone“ errichtet wird. Jeder, der ihr zu nahe kommt, wird erschossen. Bei der Errichtung dieser Mauer wird nun auch noch ein weiterer Amerikaner, ein Student, festgenommen. Entschlossen auch ihm zu helfen, verhandelt Donovan bald mit drei Parteien, eingeschlossen seinem eigenen Vaterstaat, vor dem er sich für sein Vorgehen ständig rechtfertigen muss.

Bridge of Spies (mit Tom Hanks)
In Ost-Berlin sieht der einstige Versicherungsanwalt einer neuen
schockierenden Dimension von Kälte und Gewalt gegenüber.

Die Unterschiede, auf die er bei den anderen Parteien stößt, werden ihm sehr deutlich, als er beispielsweise seines Mantels beraubt wird oder ihm nur ein Viertel Glas Whiskey eingeschenkt wird. War es in der Heimat doch stets voll und hat man es nie leer getrunken – nun braucht er es mehr denn je, kriegt wenig und muss sogar um Nachschub bitten. Letzten Endes wird er sogar zu einer Übernachtung im Gefängnis genötigt. Tom Hanks stellt den trotz aller äußeren Einflüsse standhaft bleibenden Charakter Donovans überzeugend dar. Die wachsende Verzweiflung der Lage scheint nur oberflächlich an ihm zu kratzen. Schließlich nutzt er sie für sich und stärkt somit seine Position. Dem „üblichen Spionagekram“ steht er nicht nur mit Skepsis sondern auch mit einem gewissen Sarkasmus gegenüber, welcher dem Zuschauer den ein oder anderen humorvollen Moment gewährt.

Herausragend sind Kamera und Schnitt – vor allem in der ersten Hälfte des Films. Hier findet sich zum Beispiel eine passende Überblendung, die die Parallelität beider Kriegsparteien verdeutlicht. Auch die Perspektive der Öffentlichkeit wird effektiv durch die Kameraposition unterstützt. Im späteren Verlauf des Films ist es vor allem die Musik, die an entsprechenden Stellen die dramatische Wirkung unterstützt. Steven Spielberg legte bei der Entstehung des Films Wert auf Authentizität und besetzte die eine oder andere Rolle mit deutschen Schauspielern. Wir finden zum einen den auch schon im neuen Bond-Film „Spectre“ auftretenden Victor Schefé und Max Mauff („Die Welle“, „Der Vorleser“), der zuletzt in der neuen Serie „Sense8“ an der Seite von Max Riemelt („Die Welle“, „Freier Fall“) zu sehen war. Wer Ersteren noch als Walter 'Waltraud' Gutbrod aus der Serie „Bewegte Männer“ kennt, wird womöglich Schwierigkeiten haben, sich ihn als ernst zu nehmenden Übersetzer des Sowjetischen Militärs vorzustellen. Doch irgendwo muss man ja anfangen, sich als Schauspieler ein neues Image aufzubauen und nach über zehn Jahren haben die meisten seine damalige Besetzung bestimmt schon vergessen.

Bridge of Spies (mit Tom Hanks)
Francis Gary Powers (Austin Stowell) im Zeugenstand vor dem sowjetischen Gericht.
Rechts ist Victor Schefé in der Rolle des Übersetzers zu sehen.

„Bridge of Spies – Der Unterhändler“ beruht auf einer wahren Begebenheit. Neben den Verhandlungen in Ost-Berlin war James B. Donovan später auch für die Freilassung mehrerer Tausend Gefangener in Kuba verantwortlich. Mag es deswegen eine Fortsetzung geben? Wer sich die Dramaturgie des Films vertraut macht und Steven Spielbergs Art, Filme zu machen, kennt, der wird davon ausgehen, dass es keine Fortsetzung gibt. Denn der Held wird in diesem Film geboren. Er ist bereits wie ein Phönix aus der Asche der Deutschen Nachkriegszeit und des Kalten Krieges aufgestiegen und für eine Fortsetzung – in meinen Augen - somit uninteressant geworden.

Abschließend gebe ich für „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ von Steven Spielberg eine Empfehlung heraus, da der Film durch gute und spannende Unterhaltung überzeugt mit seinen (überwiegend) authentischen Darstellern und einer überzeugenden Umsetzung des Charakters eines standhaften Mannes, an dem sich so mancher ein Beispiel nehmen könnte.

Bridge of Spies (mit Tom Hanks)



Dieser Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Hier geht es zum Wikipedia-Link.

Bridge of Spies (mit Tom Hanks)

Jetzt bridge of spies (sofern schon verfügbar) auf DVD übers Internet ausleihen
oder die DVD bei momox.de verkaufen.





 

 
Fakten
Originaltitel:
Bridge of Spies
 
deutscher Kinostart am:
26.11.2015
 
Genre:
Drama / Historie
 
Regie:
Steven Spielberg
 
Dieser Film wurde bewertet von:
ML (80%)
 
Texte:
ML
 
Diesen Film bewerten!
 


Synchronsprecher

SchauspielerSynchronsprecher
Mark RylanceFrank Röth
Tom HanksJoachim Tennstedt
Alan AldaBodo Wolf





Newsletter: So wird keine neue Filmkritik verpasst! eMail-Adresse:

[Film bewerten] - [Synchronsprecher]

zurück zum Filmarchiv
zurück zur Wertungsübersicht
zurück zur Cineclub-Homepage

(c) 2017 Cineclub, Bochum für alle Texte, die Rechte an den Bildern liegen beim jeweiligen Filmverleih.