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Moonlight


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** ***** **** **** ***** *** ***** ***** 96%
 

 
Bemerkenswerte Coming out-Filme hat es in letzter Zeit mehrmals im Kino gegeben, und nach den unvergessenen Dramen Brokeback Mountain und Lilting kommt nun „Moonlight“, das ihnen in nichts nachsteht. Kein Wunder, dass „Moonlight“ den Golden Globe als bestes Drama des Jahres gewann und für acht Oscars vorgeschlagen ist. Ein absoluter Cineclub-Filmtipp!

Moonlight


„Moonlight“ besteht aus drei Teilen mit Episoden aus der Kindheit, der Jugend und der frühen Erwachsenenzeit. Daher gibt es drei verschiedene Hauptdarsteller.

I. Chiron (hier gespielt von Alex R. Hibbert), ein dunkelhäutiger neunjähriger Junge, wächst in Miami bei seiner Mutter und ohne Vater auf. Die beiden leben in elenden Verhältnissen, denn die Mutter (Naomie Harris) ist drogensüchtig und kümmert sich kaum um ihren Sohn. Chiron wird in der Schule gemobbt, verfolgt und verprügelt. Als er eines Tages wieder einmal durch die Stadt gejagt wird und sich gerade noch in eine unbewohnte Wohnung retten kann, wird ein starker, muskulöser Mann (Mahershala Ali – bekannt aus „House of Cards“) auf ihn aufmerksam und bietet ihm, zusammen mit seiner Freundin, ein zweites Zuhause. Chiron nimmt diese Chance dankbar an, bleibt jedoch verschlossen. Als er endlich einmal etwas sagt, fragt er die beiden Erwachsenen, was ein „Faggot“ sei, denn er würde von denen, die ihn ständig jagen, so genannt. Chiron kann sich die Brutalität, in der er lebt, nicht erklären. Er ist ein Außenseiter und wird gejagt und misshandelt, weil er Gewalt nicht versteht und ihr aus dem Wege geht. Sein passiver Widerstand und seine Art, mit seinen großen Augen Gleichaltrige und Erwachsene anzustarren, empfinden diese als Bloßstellung und Provokation. Nur der gleichaltrige Kevin spricht mit ihm.

Moonlight
Chiron (Alex. R. Hibbert) findet bei von Juan (Mahershala Ali) ein zweites Zuhause.

II. Chirons (nun gespielt von Ashton Sanders) Situation hat sich auf der Highschool nicht geändert. Nach wie vor wird er von seinen Mitschülern gepeinigt, obwohl er keiner Seele etwas zuleide tut. Nur Kevin (Jharrel Jerome) hält Kontakt zu ihm. Als beide eines Abends allein am Meer sitzen, wird Chiron unvermittelt von Kevin geküsst und Chiron erlebt erstmals einen überwältigenden Moment der Liebe. Als Kevin ihn kurze Zeit später jedoch verrät, bricht Chiron alle Brücken ab.

III. Chiron (zuletzt in Szene gesetzt von Trevante Rhodes) ist nun selbst ein muskulöser, krimineller Macho, der versucht, keine Schwäche mehr zu zeigen. Als Kevin sich plötzlich bei ihm wieder meldet, wird Chirons Selbstbewusstsein erneut erschüttert.

Moonlight
Ein Moment für die Ewigkeit...


Vorlage für den Film war ein Theaterstück (von Tarell Alvin McCraney). Das merkt man dem Film durchaus an, denn es werden verschiedene Episoden lose aneinander gereiht. Für den schwarzen Regisseur Barry Jenkins ist „Moonlight“ erst der zweite Spielfilm, aber mit welcher Routine und Kreativität wurde hier der Theaterstoff in Szene gesetzt! Der Film erzählt packend – fast dokumentarisch und trotzdem spannend - die Ereignisse; das soziale Umfeld mit all seiner Problematik wird mit wenigen Andeutungen überzeugend dargestellt. Der von den Schwarzen gesprochene Slang sagt mehr aus als jede Milieustudie (Daher den Film unbedingt als OmU ansehen!). Jenkins schafft es auch hervorragend, aus den drei bisher unbekannten Akteuren, die Chiron verkörpern, eindringliche Schauspielkunst hervorzuzaubern. Die beste Leistung jedoch liefert Mahershala Ali ab. Der Moment, in dem der kleine Chiron ihn als Drogendealer durchschaut und Ali fassungslos ist vor Scham kein Wort heraus bringt, könnte nicht intensiver dargestellt werden. Ungewöhnlich ist auch die Kameraführung. Man ist als Zuschauer immer ganz nahe bei den Darstellern, man wird hautnah in die Geschichte hineingezogen und durch die starken Kontraste überzeugen Jenkins’ realistische Bilder. Und man mag es nicht für möglich halten, aber auch die Filmmusik ist grandios: Größtenteils erhebt sich Cellomusik im Hintergrund, minimalistisch, kratzig, aber von großer Ästhetik.

„Moonlight“ ist eine völlig neue Art, Geschichten im Kino zu erzählen. Ein Muss für jeden Cineasten.

Moonlight
Ein Wiedersehen, das es in sich hat...

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Fakten
Originaltitel:
Moonlight
 
deutscher Kinostart am:
09.03.2017
 
Genre:
Drama
 
Regie:
Barry Jenkins
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Bernd(96%)
 
Texte:
Bernd
 
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