Cineclub Cineclub Facebook Twitter
Cineclub - Kino und mehr

leer Cleo


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
***** **** **** *** ***** * *** ***** 88%
 

 
Zusammen mit Paul (Jeremy Mockridge) macht sich Cleo (Marleen Lohse) auf die Suche nach dem legendären Schatz der Gebrüder Sass, der eine Uhr enthält, mit der sie die Zeit zurückdrehen will. Fantasievoll umgesetzte Berliner Schnitzeljagd nicht nur für Fans der US-Genreklassiker.

Cleo (mit Marleen Lohse und Jeremy Mockridge)


Cleo (Marleen Lohse) lebt strikt nach ihren Regeln. Sie hat ihr Herz eingemauert, seit ihr Vater bei einer gemeinsamen Schatzsuche ums Leben kam, zu dem sie ihn überredet hatte, weil sie eine Uhr aus dem Schatz der Gebrüder Sass finden wollte. Dies wäre für die 12jährige Cleo die einzige Chance gewesen, zu verhindern, dass ihre Mutter bei ihrer Geburt stirbt.

Jahre später, als erwachsene Frau, hat Cleo das beste aus ihrer Situation gemacht. Da ihr die berühmtesten Bewohner Berlins gerne als Geister erscheinen und mit ihr sprechen, hat sie deren Geschichten genutzt, um Texte für Stadtführungen zu verfassen. Auch wenn ihre Regeln ihr keine Ausnahmen vom täglichen Tagesablauf erlauben, bringt das Schicksal gleich mehrfach alles durcheinander, als Paul (Jeremy Mockridge) in ihr Leben tritt. Es sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch noch eine Schatzkarte der Gebrüder Sass in seinem Besitz. Also folgt Cleo den Pfeilen des Schicksals und schließt mit Paul einen Pakt: Gemeinsam wollen sie den Schatz finden und heben. Doch dabei brauchen sie schnell Hilfe von Günni (Heiko Pinkowski) und Zille (Max Mauff), sowie von den Geistern von Erich Sass (Max Befort) und Franz Sass (Ben Münchow)…

Cleo (mit Marleen Lohse und Jeremy Mockridge)


Normalerweise ist das Genre der Schatzsucher-Abenteuer-Filme fest in der Hand Hollywoods. Einst Harrison Ford als Indiana Jones, dann Nicolas Cage auf der Spur der Tempelritter und schließlich Tom Hanks als Robert Langdon. Sie alle krochen durch Tunnel, lösten Rätsel und hatten eine Menge Spaß und Thrill dabei. Erik Schmitt erhebt nicht den Anspruch, in dieser Liga mitzuspielen. Aber er hat mit seiner Cleo einen Charakter erschaffen, dessen Motive nachvollziehbar sind. Hinzu kommt mit Berlin und dem Raub der Gebrüder Sass ein geeigneter historischer Hintergrund. Was diesem Film jedoch zu seinem hohen Unterhaltungswert verholfen hat, ist die mutige, sehr kreative Inszenierung, die mit Anspielungen nicht geizt, sich z.B. Motive und Bildsprache bei Brian de Palma und Steven Spielberg ausleiht und die Schnitttechnik, eingespielte Animationen und Schatteneffekte genau wohldosiert nutzt, um den Zuschauer mitzunehmen in die emotionale Achterbahnfahrt ihrer Hauptfigur. Marleen Lohse verkörpert Cleo und punktet neben dem guten Zusammenspiel mit Jeremy Mockridge vor allem mit der Darstellung ihrer Angst, unter Erdmassen einstürzender Gänge lebendig begraben zu werden, und der Interaktion mit den Geistern. Um dem Zuschauer zu verdeutlichen, dass nur Cleo diese sehen und hören kann, sind sie in schwarz-weiß und halbdurchsichtig in die Szenerien montiert.

Cleo (mit Marleen Lohse und Jeremy Mockridge)
Auf der Bank sitzen die Geister von Albert Einstein (Jean Pütz) und Max Planck (Peter Meinhardt).

Neben der Haupthandlung, die sich so einige Kniffe jenseits jeglicher Logik erlaubt, um den Film mit gewünschtem Tempo voranbringen zu können, gibt es mit dem Historiker noch eine interessante Figur. Der von Folke Renken mit allen Klischees verkörperte Senatsdiener durchbricht mehrfach die vierte Wand und spricht direkt mit dem Publikum.

Im Finale des Films darf Cleo auf freier Bühne mit ihrem jüngeren ich über ihr Leben, Paradoxien und Wünsche philosophieren. Auch wenn diese Szene im wörtlichen Sinne aus der Zeit gefallen ist, passt sie ins Gesamtbild, denn diesmal standen Fluch der Karibik und Harry Potter Pate. Jetzt könnte man über so viele Filmreferenzen annehmen, der Film wäre ein Sammelsurium aus Versatzstücken. Doch tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Erik Schmitt ist es gelungen, einen stimmigen Spannungsbogen zu erzeugen. Unterstützt durch den abwechslungsreichen Soundtrack von Johannes Raspe steuert der Film konsequent auf seinen Höhepunkt zu, der zwar an sich keine Überraschung darstellt, in dem die Filmemacher aber nochmal alles gegeben haben, was in Sachen Kreativität möglich war. Selten zuvor sprach wohl so viel Emotionalität aus einer Berliner Steinbogen-Flussbrücke. Damit bildet diese Szene den Abschluss einer Riege wunderbar ausgewählter Berliner Drehorte, die nicht ganz unschuldig daran sind, dass der Film seinen positiven Grundton erzeugen kann und ein zufriedenes Publikum zurücklässt.

Das Wichtigste zum Schluss: Am Ende des Abspanns folgt noch eine Szene.

Cleo (mit Marleen Lohse und Jeremy Mockridge)


Der im Film erwähnte „Diskonto-Einbruch“ der Brüder Franz und Erich Sass ereignete sich am 27. Januar 1929. Das Diebesgut gilt bis heute als verschollen und inspiriert immer wieder Hobby-Schatzsucher rund um den Berliner Grunewald. Mehr Infos bei Wikipedia.

Cleo (mit Marleen Lohse und Jeremy Mockridge)

Cleo (mit Marleen Lohse und Jeremy Mockridge)
Für die Bilder gilt:
© Detailfilm, Johannes Louis (Bilder 1, 2, 4 & 6)
© Detailfilm, Janine Marold( (Bilder 3 & 5)

Cleo (mit Marleen Lohse und Jeremy Mockridge)

Jetzt cleo (sofern schon verfügbar) auf DVD übers Internet ausleihen
oder die DVD bei momox.de verkaufen.





 

 
Fakten
Originaltitel:
Cleo
 
deutscher Kinostart am:
25.07.2019
 
Genre:
Komödie / Abenteuer
 
Regie:
Erik Schmitt
 
Länge:
ca. 96 Minuten
 
FSK der Kinofassung:
ab 6 freigegeben
 
Kinoverleih:
Weltkino
 
Dieser Film wurde bewertet von:
RS(88%)
 
Texte:
RS
 
Diesen Film bewerten! 
 




Newsletter: So wird keine neue Kritik verpasst! eMail-Adresse:

[Film bewerten]

zurück zum Filmarchiv
zurück zur Wertungsübersicht
zurück zur Cineclub-Homepage

(c) 2019 Cineclub, Bochum für alle Texte, die Rechte an den Bildern liegen beim jeweiligen Filmverleih.