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Helden wie wir


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„Missverheldnis“ bei Sebastian Petersons Version der Wende.

Helden wie wir


Der Vergleich muss sein: Ist jetzt "Sonnenallee" oder "Helden wie wir" der ultimative Ost-Film? Zumindest die Zuschauer haben abgestimmt: Während Leander Haußmanns Komödie Massen ins Kino lockte, stehen die Besucherzahlen für Sebastian Petersons Version der Wende dazu in krassem Missverheldnis. Und um das gleich vornweg zu schicken: Zu Recht!

Denn was den "Helden wie wir" fehlt, ist ganz einfach die Seele und Sympathie für die Figuren. Und wenn das alles fehlt, kann man sich noch so anstrengen - wird nix richtiges mehr draus. Dabei gibt sich Sebastian Peterson wirklich Mühe. Soviel, dass er sich in der Beschreibung des Alltäglichen verzettelt. Er vermischt nahezu alle denkbaren Filmformen: Vom Trickfilm (was ja noch ganz witzig ist), Dokumentar-Schnipseln über verfremdete Hintergründe bis zum grobkörnigen Heimvideo. Das soll dann so ein Gefühl von erlebter Wirklichkeit vermitteln. Oder so ähnlich. Funktioniert aber nicht, sondern ist nur nervig, weil viel zu lang und total verwackelt.

Helden wie wir
Klaus Uhltzscht (Daniel Borgwardt)

Was da so verwackelt? Naja, das ganze Leben von Klaus Uhltzscht (Daniel Borgwardt), einem armen und ein bisschen langsamen Ossi-Kind, das in einer deprimierenden Ost-Familie aufwächst. Und sich mit dem Staat arrangiert, sogar bei der Stasi arbeitet. Sich dann aber in eine Klassenfeindin verliebt und unversehens vom Vorzeige-Klaus zum Sorgenkind wird. Oh la la, lauert da nicht irgendwo der pädagogische Zeigefinger hinter der nächsten zerfallenen Hausecke von Ost-Berlin? Überflüssigerweise tut er das. Dass es nämlich im Sozialismus nicht so schön war wie hier, wussten wir schon lange. Dass man sich dem System anpasste, auch.

Was wir noch nicht wussten: Der kleine Klaus, der inzwischen nicht nur ein großer Klaus ist, sondern auch einen großen Klaus hat, soll Schuld an der Maueröffnung gewesen sein. Weil die Grenzer von seinem angeblich riesigen Schwanz (der nie zu sehen ist - wahrscheinlich war der Etat für die Special-Effects aufgebraucht) so beeindruckt waren. Aber das ist dann auch egal und kann getrost in die Schublade für unnützes Wissen gepackt werden.

Helden wie wir

Ja, ist da denn jetzt nirgendwo ein Lichtblick? Doch, zum Glück - und zwar folgende groteske Einlage in der Mitte des Films. Da hat der kleine Klaus ein Idol: Den Kommunisten Ernst Thälmann. Weil der den Kosenamen "Teddy" trug, macht sich Kläuschen nun so seine eigenen Gedanken, in denen ein riesiger Plüsch-Bär die Hauptrolle spielt. Von solch genialen Szenen hätte man sich mehr gewünscht. Bleibt aber leider bei dieser einen.

Die Schuld am Versagen des Filmes jemandem allein zuzuschieben, wäre falsch. Fest steht aber, dass es nicht am Drehbuchautor Thomas Brussig gelegen hat, der auch die Romanvorlage geschrieben hat. Denn Brussig wirkte maßgeblich an dem wahren Film über den Osten mit: Der oben schon erwähnten "Sonnenallee", und da machte er alles richtig. Aber gut, dass wir verglichen haben.

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Fakten
Originaltitel:
Helden wie wir
 
deutscher Kinostart am:
09.11.1999
 
Genre:
Komödie
 
Regie:
Sebastian Peterson
 
Dieser Film wurde bewertet von:
abu(50%)
 
Texte:
abu
 
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TV-Termine

DatumUhrzeitSender
30.04.2012 23:25 MDR
03.10.2011 13:45 BR
²) Sendezeiten bis 05:00 Uhr sind in der Nacht zum Folgetag.


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