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Montag, den 01.06.2026

DOGMA 25 - Das Keuschheitsgelübde

30 Jahre ist es her, dass sich eine Gruppe von Regisseuren auf ein Regelwerk verständigten, in dessen Folge eine Reihe sehr besonderer Filme entstanden sind.

Jetzt kommt DOGMA 25 Germany als Einladung, Kino wieder als Abenteuer zu denken, als lebendigen, riskanten und kollektiven Prozess - und damit als Beitrag zur Zukunft des europäischen Kinos. Fünf Regisseur:innen, fünf Kinofilme, fünf radikal unterschiedliche Perspektiven.

Nachfolgend findet ihr die Dogma 25 Erklärung im Originalwortlaut:

Ich schwöre, mich den folgenden Regeln zu unterwerfen, verfasst und bestätigt von DOGMA25 Germany:

1. Das Drehbuch wird original und handschriftlich von den Regisseur:innen verfasst.

Wir verpflichten uns, das Drehbuch von Hand zu schreiben, um jene Intuition zu fördern, die am freiesten aus dem Traum entsteht und über die Hand auf das Papier gelangt.

2. Mindestens die Hälfte des Films muss ohne Dialog auskommen.

Wir bestehen auf einem filmischen Ansatz des Erzählens, da wir an visuelles Geschichtenerzählen glauben und Vertrauen in das Publikum haben.

3. Das Internet wird aus allen kreativen Prozessen ausgeschlossen.

Wir verpflichten uns, Filme auf Grundlage realer Menschen in unserer physischen Realität zu erschaffen und nicht in einer digitalen, von Algorithmen durchdrungenen Welt.

4. Wir akzeptieren nur Finanzierungen ohne inhaltliche Auflagen.

Wir übernehmen die Verantwortung dafür, die Budgets niedrig zu halten, damit das Team bei allen künstlerischen Entscheidungen das letzte Wort behält.

5. Nicht mehr als 10 Personen hinter der Kamera.

Wir verpflichten uns zu enger Zusammenarbeit, um Vertrauen aufzubauen und unsere gemeinsame Vision zu stärken.

6. Der Film muss dort gedreht werden, wo die Handlung spielt.

Film als Kunstform wird künstlich und generisch, wenn wir einen Ort in einem falschen Licht darstellen.

7. Wir dürfen kein Make-Up verwenden oder Gesichter und Körper manipulieren, es sei denn, dies ist Teil der Erzählung.

So wie wir uns bemühen, die Authentizität des Ortes zu bewahren, wollen wir auch den menschlichen Körper ohne Filter darstellen. Wir feiern ihn – mit all seinen Ecken und Kanten.

8. Alles, was mit der Produktion des Films zu tun hat, muss gemietet, ausgeliehen, gefunden oder wiederverwendet werden.

Wir verpflichten uns, Filme mit bereits existierenden Gegenständen zu drehen, und lehnen die ahistorische und selbstzerstörerische Kultur des Konsums ab.

9. Der Film muss innerhalb von einem Jahr fertiggestellt werden.

Wir verzichten auf langwierige Prozesse, die den kreativen Fluss blockieren.

10. Mach diesen Film, als wäre es dein Letzter.

WRITERS' & DIRECTORS' NOTE

Wir Filmemacher:innen leben im Zeitalter unserer eigenen Überflüssigkeit. Wenn Geschichten nach Empfehlungslogiken sortiert werden und bald jeder, der Lust hat, seinen eigenen Blockbuster prompten kann, erscheint es uns immer schwerer zu rechtfertigen, warum wir uns den Bedingungen des klassischen Filmemachens überhaupt noch aussetzen. Das wirft uns auf die Beweggründe zurück, die uns überhaupt in unseren Beruf getrieben haben: Die Notwendigkeit des Erzählens. Die Hoffnung, in uns selbst etwas zu finden, das zum einen über das eigene Mittelmaß hinausgeht, und zum anderen nicht schon marktkonform vorformatiert ist. Etwas, das wir in die Sprache der Kunstform übersetzen, die uns antreibt, entzündet, begeistert: das Kino.

Schon vor dreißig Jahren haben die dänischen Dogma 95-Vertreter den Stillstand des filmischen Erzählens bekämpft. Sie wollten ihre Geschichten davor retten, von einer ästhetisch-inhaltlichen Normierung platt gewalzt zu werden, in die sie die Kommerzialisierung der Branche zu zwingen drohte. Wir steuern auf eine Welt zu, in der Geschichten bereits als Produkte gedacht werden, bevor sie überhaupt erlebt, gedreht oder auch nur empfunden wurden. Wir wollen - mit Ihrer Unterstützung – den gegenteiligen Weg einschlagen!

Im Gegensatz zu immer größer werdenden Produktionen kann die DOGMA 25 Germany-Regel, dass sich maximal zehn Personen hinter der Kamera befinden dürfen, eine spürbare Entlastung schaffen.Es bedeutet auch, dass alle sich auf die Impulse des Unvorhergesehenen einlassen - weil nicht alles kontrolliert werden kann oder muss. Es geht uns um den Moment und die Freiheit der spontanen Entscheidung. Durch das Umsetzen aller DOGMA 25 Germany-Regeln, wie z.B. das Schreiben per Hand, das Ausleihen jedes Kostüms und Props, greifen wir nicht nur einen lange bestehenden Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit in der Filmbranche auf, sondern begeben uns in einen Prozess der radikalen Kreativität - mit minimalen Mitteln, aber maximalem Anspruch. Das Drehen an realen Schauplätzen, wie es eine weitere Regel vorsieht, fördert nicht nur Authentizität, sondern kann das Spiel der Darsteller:innen zusätzlich inspirieren. Wir nehmen die Begrenzungen gern in Kauf, weil sie uns neue Freiheiten finden lassen. Mit DOGMA 25 verteidigen wir den Wunsch, dass die echte Welt, dass echte Menschen in unseren Geschichten ihre Spuren hinterlassen.

Unsere Gruppe ist verbunden durch die Liebe zum Kino und die Lust auf einen neuen und befreienden Weg dorthin. Wir sind ganz unterschiedlich und dadurch inspiriert voneinander. Und wir wollen dieses Abenteuer gemeinsam wagen, im Austausch bleiben und uns unterstützen. Manche von uns wissen schon genau, was sie machen - die anderen sagen einfach Ja zum kreativen Prozess und freuen sich auf die Reise ins völlig Ungewisse. Aber eine Gewissheit, die wir verteidigen, ist: dass unsere Entscheidungen menschlich sind. Die andere Gewissheit ist, dass wir zusammenhalten.

Kurdwin Ayub, Ilker Çatak, Nora Fingscheidt, Helene Hegemann und Tom Tykwer

Mai 2026


Quelle: Just Publicity
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