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Lucifer


Aufmachung Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
**** ***** **** *** ***** *** ** ***** 88%
 

 
Höllisch gute Darsteller, verdammt gute Synchronsprecher und eine himmlisch schwarzhumorige Umsetzung (teils basierend auf Vertigos Comicvorlage) erschaffen eine sündhaft gute Serie, die im Februar 2017 vom US-Sender FOX bereits um eine dritte Staffel verlängert wurde - trotz eher durschnittlicher Einschaltquoten und einer Petition seitens der American Family Association gegen die Ausstrahlung...

Lucifer


Einst zettelte Lucifer Morningstar (Tom Ellis) eine Revolte im Himmel an und wurde zur Strafe von seinem göttlichen Vater in die Hölle geschickt, wo er fortan allen bösen Menschen endlose Qualen zufügen sollte. Dass das einem gern aus der Reihe tanzenden Engel nicht unbedingt zusagst, ist irgendwie nachvollziehbar - menschlich gesehen allemal. Aufgrund von Langweile und weil besagter Job in der Unterwelt nicht immer der schönste ist, flüchtet Lucifer auf die Erde und mischt sich unter die Menschen. Für seinen auf unbestimmte Zeit ausgelegten Aufenthalt wählte der Leibhaftige natürlich Los Angeles - die Stadt der Engel - aus und dort betreibt er seither einen gut laufenden Nachtclub... denn wer weiß besser ausgiebig und vor allem sündhaft zu feiern als der Teufel in Menschengestalt.

Engel Amenadiel (D. B. Woodside) findet die gewählte Freizeitgestaltung seines Bruders natürlich nicht so toll, schließlich muss er nun auf die Hölle achtgeben, was dem ältesten Sohn Gottes logischerweise missfällt. Also besucht er seinen jüngeren Bruder Lucifer immer wieder und versucht ihm ständig klarzumachen, dass er zurückkommen und die Hölle wieder übernehmen muss. Doch ein Engel kann einen anderen Engel nur schwer zwingen und ein älterer Bruder den jüngeren sowieso nicht. Vor allem dann nicht, wenn der jüngere Bruder einen gewissen Hass auf seinen göttlichen Vater hegt und dieser den älteren Bruder für dessen Drecksarbeit einspannt. Was Amenadiel nicht ahnt: Lucifer hat sich bereits einige Schlupflöcher einfallen lassen, um auf keinen Fall zu einer Rückkehr in die verhasste Unterwelt getrieben zu werden und selbst Gott hat mit seinem ältesten Sohn nicht viel Geduld - trotz der Loyalität Amanediels zu seinem Vater und dessen Entscheidungen. Obwohl Amanediel also ein wesentlich braverer Sohn als Lucifer war und ist, wird auch Amenadiel bald Gottes Zorn zu spüren bekommen und ein weiter Bruder ist bald auch schon auf dem Weg, um Lucifers mehr als abweichendes Verhalten eindlich ein Ende zu setzen...

Lucifer
Amanediel (D. B. Woodside) will Lucifer zur Rückkehr bewegen. Viel Glück!

Während sein Bruder also verzweifelt versucht, Gottes Wille umzusetzen, findet Lucifer nicht nur Gefallen am irdischen Dasein, auch die entzückende und gewissenhafte Chloe Decker (Lauren German) weckt Lucifers Interesse. Als Berater des LAPD kann der Teufel dem jungen weiblichen Detective nämlich bald nicht nur gut unter die Arme greifen und die bösen Menschen ausfindig machen (und ggf. teuflisch bestrafen), er kann auch einem Gefühl auf die Schliche kommen, welches ihn zunehmend verunsichert aber ebenso fasziniert - Zuneigung. Denn dieses Gefühl ist Satan schlichtweg fremd und doch empfindet er vermehrtes Kribbeln in Deckers Nähe. Ja, selbst Deckers kleine Tochter Trixie (Scarlett Estevez) scheint Lucifer kaum zu stören und das will schon was heißen, schließlich verabscheut der Teufel eigentlich Kinder. Und dass Trixies Vater und Deckers Ex, der LAPD-Detecitive Dan Espinoza (Kevin Alejandro), sogar so etwas wie Eifersucht im Sohn der Verdammnis hervorruft, ist mehr als überraschend. Kein Wunder also, dass Lucifer sich bei einer irdischen Therapeutin (Rachael Harris) Rat einholt, um diese ganzen menschlichen Gefühlsregungen in ihm besser zu verstehen.

Lucifer
Ja, auch der Teufel braucht gelegentlich eine Psychotherapie.

Das Verstehen menschlicher Empfindungen ist mit der Zeit auch unabdingbar, denn bald stellt sich noch heraus, dass Lucifer in Deckers Nähe Züge von Sterblichkeit aufzeigt, was eigentlich völlig unmöglich ist, denn der Teufel kann durch irdische Dinge nicht verletzt werden oder ihnen gar erliegen. In Deckers Gegenwart wird die göttliche Ordnung jedoch in mehr als nur einer Sache offenbar komplett auf den Kopf gestellt. Selbst Lucifers Bodyguard, die attraktive und eher zwiespältige Dämonin Mazikeen (Lesley-Ann Brandt) erkennt die Gefahr, weiß aber keinen wirklichen Rat - zumindest keinen, der Lucifer zusagen würde. Gemeinsam mit Amenadiel versucht Mazikeen also nun, Lucifer wieder von der Erde zu bekommen, bevor dieser sich völlig verliert. Und dann ist da auch noch die Flucht eines göttlichen Wesens direkt aus der Hölle, die alle himmlischen Wesen in helle Aufruhr versetzt - Mutter (Tricia Helfer) ist entkommen und treibt sich nun irgendwo in Los Angeles rum auf der Suche nach ihrem abtrünnigen Sohn, der seine Mutter auf Gottes Anweisung hin Ewigkeiten quälen ließ. Und Lucifer? Der muss bald auch noch einen Pakt mit seinem unliebsamen Vater eingehen, um Deckers Leben zu retten...

Lucifer
Detective Decker (Laura German) schwebt mehr als nur einmal in Lebensgefahr...


Schonmal was von "Jerry Bruckheimer Television" gehört? Ja, der deutsch-jüdische US-Produzent war nicht nur an der Entstehung von Franchises wie "Beverly Hills Cop" und "Bad Boys" oder Action-Blockbustern wie "Top Gun", "Tage des Donners", "Con Air" oder "Black Hawk Down" beteiligt. Mit seiner TV-Produktionsfirma gelangen ihm auch Serienhits wie "Cold Case" und die komplette "CSI"-Reihe. Nach einigen Quotenreinfällen mit Serien wie "Eleventh Hour", "Justice" oder "Miami Medical" schafft es nun offenbar die Serie "Lucifer", länger als nur eine Staffel durchzuhalten.

Trotz eher durschnittlicher (aber eben nicht unbedingter schlechter) Einschaltquoten hat der US-Sender FOX die Serie nun sogar um eine dritte Staffel verlängert. Wenn man bedenkt, wie sehr die großen TV-Sender in den USA nach Einschaltquoten entscheiden, ob eine Serie (eben auch eine hervorragende) überlebt, ist das schon ein wenig beeindruckend. Man kann nun Vermutungen anstellen, ob die Senderchefs ebenfalls das große Potential in "Lucifer" erkannt haben, aber ich bezweifle das eigentlich, denn so ticken die quotengeilen Entscheider eigentlich nie. Möglicherweise ist es eine göttliche Fügung, wer weiß das schon... aber genug Blasphemie an dieser Stelle. Es sei nur noch schnell darauf hingewiesen, dass man als sogenannter 'Heide' (jene, die keiner Religion angehören, sich aber nicht prinzipiell vom göttlichen Glauben abwenden usw.) wohl schlichtweg noch mehr Freude an dieser Serie zu empfinden vermag, als ein streng religiöser Zuschauer - und von denen gibt es in den USA sicherlich einige. Ich als solcher 'Heide' habe jedenfalls derbe Freude an der Serie und könnte zudem auch absoluten 'Atheisten' (jene, die nicht an eine göttliche Kraft glauben und diese sogar ablehnen) dazu raten, sie zu schauen. Das werde ich aber nicht tun, denn ich glaube ein definitiver Atheist hätte an "Lucifer" am Ende ebenso wenig Freude wie ein streng religiöser Mensch... aber ich könnte mich natürlich auch irren. Bevor ich also noch ein wenig über meine neue Lieblingsserie philosophiere, weise ich kurz auf einen der wichtigsten Sätze der Menschheit hin: Irren ist menschlich, vergeben göttlich...

Lucifer
Lucifers Mutter (Tricia Helfer) hat sich einen besonders schönen Körper ausgesucht.
Auch Dämonin Mazikeen (hinten, Lesley-Ann Brandt) hat sich für eine äußerst attraktive Menschengestalt entschieden...

Nun, weiter im Text. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass mich "Lucifer" natürlich nicht nur wegen dem amüsanten aber ebenso cleveren Umgang mit der Religion begeistert. Wie bereits im Vorwort erwähnt sind es auch die Darsteller und ihre Umsetzung der jeweiligen Rolle. Der Waliser Tom Ellis funktioniert als unfreiwilliger Höllenfürst hervorragend. Sein britischer Akzent und die relativ tiefe Stimmlage passen super ins Bild (ähnlich wie bei Benedict Cumberbatch in "Sherlock"), doch auch die deutsche Fassung weiß hier dank Manou Lubowski (einigen Serienfans bekannt als Stimme von Jaime Lennister in "Game of Thrones" oder als junger Sprecher von Jake Ochmonek in "ALF", sowie Hörspielfans bekannt als Willi Sauerlich in "TKKG") zu gefallen. Natürlich werden die Szenen, wo Tom Ellis am Piano klimpert und dabei auch mal singt nicht unnötig synchronisiert, aber so oder so - den Teufel kann man sich in "Lucifer" prima in beiden Sprachen gönnen. Auch die anderen Darsteller wie Lauren German als wirklich zuckersüße und gestandene LAPD-Ermittlerin und junge Mutter macht einfach Spaß, bietet ihre Rolle doch den absoluten Kontrast zu Lucifer Morningstar und bietet gleichzeitig eine romantische Komponente an. Ebenso unterhaltsam funktioniert die Beziehung zwischen dem Teufel und seiner irdischen Psychotherapeutin, die ja bald auch mit Lucifers Familie im Gesamten zu tun haben wird. D. B. Woodside als Lucifers smarter Bruder Amenadiel oder Lesley-Ann Brandt als attraktiver und ebenso tödlicher Dämon und Lucifers höllischer Bodyguard können ebenfalls überzeugen. Und dann ist da noch die kanadische Schönheit Tricia Helfer als Lucifers (und Amanediels) Mutter und ehemalige Frau von ... ja, von Gott... denn seien wir ehrlich: für das Dasein auf Erden brauchen sowohl Engel, Dämonen als auch Götter einen menschlichen Körper... und die Macher der Serie haben sich hierfür einen wirklich coolen Cast zusammenstellen lassen! Wenn selbst der Ex des weiblichen Hauptcharakters eine eigentlich coole Socke ist und die gemeinsame Tochter trotz ihrer jungen Jahre nicht nervt sondern sich witzig ins Gesamtbild einzufügen weiß, dann spricht das wirklich für eine tolle Riege an Darstellern.

Lucifer
Ein toller Cast für tollen Rollen.

Natürlich ist es auch der unterhaltsame Umgang mit der Religion, die hier absolut greift. Nicht nur, dass menschliche Scharlatane vom Teufel sofort durchschaut und direkt verachtet werden - es ist eben auch das, was die göttlichen Figuren erleben und durchmachen, je länger sie auf Erden wandeln. Ob Lucifer es einfach nicht mehr hören kann, für alles Übel der Welt verantwortlich gemacht zu werden, wo es doch der Mensch selbst ist und es lediglich des Teufels Job ist, die Bösen dann entsprechend zu bestrafen, oder ob es ein Engel ist, dessen Flügel gestutzt werden, da er Gottes Auftrag nicht zu erfüllen vermag... Ob es ein Dämon aus der Hölle ist, der einfach nicht begreifen will, warum Menschen sich für vermeintliches Glück so oft so sehr hingeben anstatt sich einfach zu nehmen was sie wollen (wie z.B. Lucifer selbst, der gerne mal einen Dreier mit einer Frau und einem Mann nur zum Vergnügen hat) oder ob es eine geschasste Göttin ist, die von ihrem Ex (dem Vater allen Lebens) enttäuscht ist und aus der Hölle ausbricht, um über dem irdischen Umweg ihre Söhne davon zu überzeugen, Gott und seine (vermeintlichen) Pläne ad absurdum zu führen... selbst bei den göttlichen Figuren geht es eben drunter und drüber - und daran ist nicht zuletzt das menschliche Wesen schuld, denn dieses verwirrt Engel, Dämonen und Götter gleichermaßen. Und all das sorgt für meinen langen Text, denn all das kompiniert sich in dieser einen Serie und sorgt damit für soviel derbe Unterhaltung, Abwechslung und eine Grundspannung, dass mir (und allen Fans dieser noch recht neuen Serie) nur zu hoffen bleibt, dass "Lucifer" trotz der US-Quoten und trotz vieler Zuschauer, die hier eine Glofizierung Satans erkennen, noch eine ganze Weile lang weiter produziert wird... denn noch hat Lucifer mit seiner Familie der Erde und den Menschen nicht den Rücken gekehrt, also könnte da noch viel zu holen sein - eben auch für den interessierten Zuschauer...

Lucifer

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Fakten
Originaltitel:
Lucifer
 
Produktionsjahr:
2016 - 0000
 
Genre:
Dramedy / Crime / Fantasy
 
Laufzeit/Folge:
42 Min
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Conway(88%)
 
Texte:
Conway
 
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