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Der Fremde am See


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
**** * *** *** - ***** *** **** 76%
 

 
Im Sommer cruist Franck (Pierre Deladonchamps) an einem Badesee und verliebt sich in den gefährlichen Michel (Christophe Paou). Der in Cannes für Beste Regie der Sektion Un Certain Regard und mit der Queer Palm ausgezeichnete Film von Alain Guiraudie ist atmosphärisch, bedrohlich, realistisch und sexuell unverschämt.

Der Fremde am See


Es sind Sommerferien und Franck (Pierre Deladonchamps) hat endlich wieder Zeit, an den idyllischen Badesee zu gehen. Während sich auf der einen Seeseite Familien erholen, suchen in einer abgelegenen Bucht Schwule auch sexuelle Abenteuer und streunen durch die Wälder.

Der aufgeschlossene Franck spricht gleich am ersten Tag am See den beleibten Einzelgänger Henri (Patrick d'Assumçao) an. Henri hat sich erst kürzlich von seiner Frau getrennt und möchte nun Männer kennen lernen. Doch die Gespräche zwischen Franck und Henri sind rein freundschaftlich.

Der Fremde am See

Als der attraktive Michel (Christophe Paou) vorbeischwimmt, ist Franck sofort Feuer und Flamme für ihn und folgt ihm. Doch der muskulöse Schnauzträger Michel nimmt nur wenig Kenntnis von ihm. Täglich kehrt Franck zurück, unterhält sich mit Henri, entspannt sich.

Franck entdeckt ein dunkles, bedrohliches Geheimnis von Michel, doch das mindert sein Interesse nicht. Im Gegenteil sucht er weiterhin den Kontakt zu Michel, denn Franck möchte seine glühende Leidenschaft für Michel ausleben – um jeden Preis, auch als eine Leiche im See gefunden wird.

Der Fremde am See


Egal ob Sundance, Berlinale oder Cannes, fast alle wichtigen Filmfestival schienen 2013 schwul-lesbische Filme mit recht expliziten Sexszenen haben zu wollen. Ob „Interior. Leather Bar.“ von und mit James Franco („Die fantastische Welt von Oz“, „Spider-Man“), „Concussion“ oder im Falle von Cannes neben „La Vie d'Adèle“, dem lesbischen Gewinner des Hauptpreises, auch „Der Fremde am See“, welcher nicht nur die Queer Palm, sondern auch den Regiepreis der Sektion Un Certain Regard erhielt.

Wieso die Cannes-Juroren von „Der Fremde am See“ überzeugt waren, versteht sich schnell: die Unverschämtheit, die Natürlichkeit und der Realismus, mit denen Autor und Regisseur Alain Guiraudie seine Thriller-Geschichte im Cruising-Gebiet erzählt, sind genauso beeindruckend wie unspektakulär. Auch wenn viele Gemächte durchs Bild baumeln oder (unsimulierte) Sexszenen gezeigt werden, so dient das nicht der Erregung des Publikums, sondern der Geschichte. Diese nicht-pornografische (oder post-pornografische) Darstellung von Sexualität ist jener des modernen Klassikers „Shortbus“ von John Cameron Mitchell ähnlich.

Der Fremde am See

Gleichzeitig entführt Guiraudie die Zuschauer auch in die Atmosphäre des Strandurlaubs. Jeden Tag wieder an den See zu fahren, sich ein bisschen zu unterhalten, ein wenig zu schwimmen und gelegentlich sexuelle Abenteuer zu suchen, das bringt eine deutliche Portion Monotonie mit sich – die der Regisseur nicht scheut. Zudem konzentriert er sich ohne Ausnahme auf See und Wald als Schauplatz und filmt alle Eindrücke naturalistisch: ohne Musikuntermalung oder künstliche Beleuchtung. Guiraudie fühlt sich in dieser (sexuellen) Umgebung ganz wie zu Hause, so dass ein anderer Kritiker es zu Recht einen „Heimatfilm“ nannte.

Doch – man möchte fast sagen: zum Glück – schwebt über allem die Gefahr, dass evtl. ein Mörder sein Unwesen am See treibt. Dies verleiht dieser Monotonie eine bedrohliche Spannung. Der Zuschauer weiß, dass etwas nicht stimmt, dass etwas geschehen wird, doch er ist in der hilflosen Beobachterrolle gefangen, die einen guten Thriller wie diesen so schön unerträglich macht. Doch ein Porno-Problem hat „Der Fremde am Strand“: Manchmal lässt einen der Höhepunkt unbefriedigt.

Der Fremde am See

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Fakten
Originaltitel:
L'inconnu du lac / Stranger by the Lake
 
deutscher Kinostart am:
19.09.2013
 
Genre:
Thriller / erotisches Drama
 
Regie:
Alain Guiraudie
 
Dieser Film wurde bewertet von:
Martin(76%)
 
Texte:
Martin
 
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TV-Termine

DatumUhrzeitSender
13.03.2017 23:59 WDR
14.05.2016 ²) 01:55 Arte
²) Sendezeiten bis 05:00 Uhr sind in der Nacht zum Folgetag.


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